Politik : "Arafat ist stolz auf euch"

Bewohner leisten erbittert Widerstand und beschimpfen die Soldaten - weiterer Teilabzug aus dem Westjordanland

Gegen den erbitterten Widerstand Hunderter Siedler hat die israelische Armee am Mittwoch eine illegale jüdische Siedlung im Westjordanland geräumt. In Maon bei Hebron bahnten sich die Soldaten am frühen Morgen mit einer Planierraupe den Weg in die Siedlung. Demonstranten hatten aus Protest Autos und Reifen angezündet.

Bereits vor Wochen hatte Ministerpräsident Ehud Barak mit Palästinenser-Präsident Jassir Arafat die Beseitigung einiger illegaler Siedlungen im Westjordanland vereinbart. Die Siedler von Maon hatten den Räumungsbefehl jedoch ignoriert.

Die Siedler bewarfen die Soldaten am Mittwoch von Wohnwagen und von den Dächern halbfertiger Häuser herab mit Eiern, Farbe und Mehl. Die aufgebrachte Menge skandierte während der Räumung: "Arafat ist stolz auf euch" und "Schande". "Ihr seid auch Juden", schrie ein Demonstrant die Soldaten an. Ein anderer, der weggetragen wurde, murmelte kopfschüttelnd, er könne es nicht glauben. Eine Siedler-Gruppe verbarrikadierte sich in einem Haus und drohte, es in die Luft zu sprengen. Eine Spezialeinheit der Polizei stürmte schließlich das Haus.

Nach dem dreistündigen Einsatz wurden der Polizei zufolge etwa 50 Menschen festgenommen. Verletzt worden sei niemand. Mehrere Hundert Siedler aus anderen jüdischen Siedlungen im Westjordanland unterstützten den Protest der fünf Familien und zwölf Einzelpersonen von Maon. DieRäumung der Siedlung zählt zu den schwersten Auseinandersetzungen zwischen Soldaten und Siedlern seit der Räumung der Siedlung Jamit 1982 im Sinai.

Das israelische Kabinett billigte unterdessen gemäß der Neufassung des Wye-Abkommens mit den Palästinensern die Übergabe von weiteren fünf Prozent des Westjordanlandes: Zwei Prozent sollen am Montag in die volle Kontrolle der Palästinenser übergehen, weitere drei Prozent der zivilen palästinensischen Verwaltung unterstellt werden. Der Rückzug sei mit 17 gegen eine Stimme gebilligt worden, es habe eine Enthaltung gegeben.

Vor zwei Monaten hatte Israel bereits weitere sieben Prozent des Westjordanlandes übergeben. Ende Januar soll es zu einer dritten Landübergabe kommen, nach der die Palästinenser dann 40 Prozent des Westjordanlandes teilweise oder ganz kontrollieren sollen. Israel bleibt in einigen Zonen für die Sicherheit zuständig.

Die Grundlagen für ein endgültiges Friedensabkommen zwischen Palästinensern und Israelis sollen bis Februar vereinbart und der Vertrag selbst im September des kommenden Jahres unterzeichnet werden.

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