Arbeiten mit Behinderung : Schon mal die Messer wetzen

Integrationsbetriebe öffnen eine Tür in den Arbeitsmarkt, die Menschen mit Handicap oft verschlossen bleibt. Doch viele Arbeitgeber fürchten mehr Aufwand.

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Die Diakonischen Unternehmensdienste (DUd) bieten Menschen mit Behinderung eine berufliche Perspektive. Zwei Mensen betreibt die gemeinnützige Gesellschaft und versorgt Leipziger Betriebe mit Speisen.
Die Diakonischen Unternehmensdienste (DUd) bieten Menschen mit Behinderung eine berufliche Perspektive. Zwei Mensen betreibt die...Foto: promo/DUd

Spargelcremesuppe, Hähnchenspieße, Frühlingsrollen, Tapas und zum Nachtisch Joghurt-Mousse: Das sind nur einige der Snacks, die den 200 Gästen beim Empfang des Leipziger Oberbürgermeisters Burkhard Jung heute Abend zur Eröffnung des Fürsorgetages serviert werden. Zubereitet haben sie Mitarbeiter der Diakonischen Unternehmensdienste (DUd), einem Integrationsbetrieb, in dem Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam arbeiten.

Zwei Mensen betreibt die gemeinnützige Gesellschaft und versorgt viele Leipziger Einrichtungen und Betriebe mit Speisen – von der Kita bis zum Großunternehmen. „Firmenfeiern, Geburtstage, Hochzeiten – auch beim Catering haben wir ein breites Kunden-Spektrum“, erzählt Maike Hillenbach, die die Öffentlichkeitsarbeit der BBW-Leipzig-Gruppe leitet, zu der die Diakonischen Unternehmensdienste gehören.

Dass es diesen Kunden schmeckt, ist Aufgabe der 17 Köche und Servicekräfte, die bei den DUd arbeiten; acht von ihnen haben eine Behinderung. Was unterscheidet die Arbeit in einem Integrationsunternehmen von der in einem „normalen“ Betrieb? „Eigentlich nichts“, sagt Maike Hillenbach, „außer, dass hier eben mehr Kollegen eine Behinderung haben. Ansonsten müssen wir uns wie alle anderen im Wettbewerb behaupten. Wenn das Essen nicht schmeckt, wird der Kunde sich einen anderen Caterer suchen.“

Die Chance bekommen, sich zu beweisen

Was Integrationsbetriebe ihren Mitarbeitern aber ermöglichen: Sie öffnen eine Tür in den Arbeitsmarkt, die Menschen mit Handicap oft verschlossen bleibt. Viele Arbeitgeber fürchten mehr Aufwand, noch dazu für Mitarbeiter, die – so die Annahme – weniger leistungsfähig sind. Doch oft ist das Gegenteil der Fall. Das Engagement und der Wille, sich zu beweisen, sind besonders groß. Nur wie soll man das zeigen, wenn einem keiner die Chance dazu gibt?

Hier kommen Integrationsunternehmen wie die DUd ins Spiel: „Wer in seinen Lebenslauf schreiben kann, dass er bei uns gearbeitet und sich weitergebildet hat, der hat schon viel bessere Karten“, berichtet Maike Hillenbach. Im Schnitt zwei Jahre können die Mitarbeiter bleiben. „Das langfristige Ziel ist, dass sie Jobs in anderen Unternehmen finden, damit wir neuen Menschen mit Behinderung die Möglichkeit geben können, sich für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren.“

Die 200 Gäste zur Eröffnung des Fürsorgetages zu bewirten, ist dabei absolute Routine für das Catering-Team. „Erst ab 500 Personen geht der Puls langsam in die Höhe“, sagt die Unternehmenssprecherin – und ermuntert Firmen und Privatleute, bei der Vergabe von Aufträgen immer auch Integrationsbetriebe im Blick zu haben, die es quer durch fast alle Branchen gebe. Denn: „Jeder Auftrag unterstützt die Entwicklung hin zu einem inklusiven Arbeitsmarkt und fördert die Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben.“

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