Politik : Arbeiterwohlfahrt fordert mehr zielgerichtete Hilfe für Arme

Berlin - Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) hat gefordert, die wachsende Kinderarmut in Deutschland stärker zu bekämpfen. „Es muss mehr geschehen als bisher“, sagte der AWO-Bundesvorsitzende Wilhelm Schmidt in Berlin. Ein Schlüssel sei der Ausbau und die gezielte Öffnung von Kindertagesstätten für Kinder aus Armutsfamilien. Nach einer AWO-Langzeitstudie leben inzwischen deutschlandweit 2,6 Millionen Kinder in Armut, „und das kann einen Wohlfahrtverband wie uns nicht ruhen lassen“.

Schmidt begrüßte die Erwägung von Arbeitsminister Franz Müntefering (SPD), den Hartz-IV-Satz für Kinder um zehn Euro anzuheben, als „Schritt in die richtige Richtung“, warnte aber gleichzeitig vor zu vielen pauschalen Geldspritzen. Armen Familien sei mit gezielten Sachleistungen, etwa der Gebührenfreiheit von Kindertageseinrichtungen, mit unentgeltlichem Essen in Kitas und Schulen und mit der Wiedereinführung flächendeckender Schulbuchfreiheit weit besser geholfen. „Das kommt direkt bei den Kindern an.“

Um Armut, Vernachlässigung und Bildungsferne von Kindern entgegenzuwirken, kündigte der AWO-Chef auch eine Fortentwicklung der verbandseigenen 2400 Tagesstätten an. „Wir wollen, dass sich unsere Kitas zusammen mit anderen sozialen Einrichtungen in den Stadtteilen zu Anlaufstellen und Zentren für die Familien entwickeln“, sagte Schmidt. Allerdings sei das auch eine „Finanzforderung“. Mit dem bisherigen Personal seien solche Ideen nicht zu verwirklichen. raw

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