Arbeitgeber zahlen weniger Urlaubsgeld : Männer bekommen im Schnitt mehr als Frauen

Nur noch 41 Prozent der Beschäftigten in Deutschland erhalten Urlaubsgeld. Das geht aus einer Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung hervor. Bei tarifgebundenen Betrieben erhalten immerhin noch 61 Prozent Urlaubsgeld.

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Nicht mal jeder zweite deutsche Arbeitnehmer erhält Urlaubsgeld. Das ergab eine Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung.
Nicht mal jeder zweite deutsche Arbeitnehmer erhält Urlaubsgeld. Das ergab eine Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung.Foto: dpa

Nicht einmal jeder zweite Arbeitnehmer in Deutschland bekommt Urlaubsgeld. Nur 41 Prozent der Beschäftigten erhalten die Sonderzahlung. Das geht aus einer Online-Umfrage unter 6400 Beschäftigten hervor, die das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung ausgewertet hat. Im Jahr 2013 hatten noch 47 Prozent der Arbeitnehmer angegeben, Urlaubsgeld zu erhalten.

Während jeder zweite Mann Urlaubsgeld bekommt, erhält nur jede dritte Frau diese Zahlung. Im Westen wird häufiger Urlaubsgeld gezahlt (47 Prozent) als im Osten (27 Prozent). Arbeitnehmer profitieren davon, wenn ihre Arbeitgeber tarifgebunden sind: Von den Beschäftigten, die nach Tarif entlohnt werden, erhalten 61 Prozent Urlaubsgeld . In Betrieben, die keine Tarifbindung haben, sind es dagegen nur 32 Prozent. Das WSI-Institut wertete außerdem Tarifverträge für 22 Branchen aus. Danach variiert die Höhe des Urlaubsgelds stark nach Wirtschaftszweig: Die höchsten Beträge werden in der Holz- und Kunststoffindustrie sowie in der Druck- und Metallindustrie gezahlt, am wenigsten bekamen Arbeitnehmer in der Landwirtschaft und im Steinkohlebergbau.

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Reiner Hoffmann, forderte die Arbeitgeber auf, die Tarifflucht zu beenden. „Wer einen Tarifvertrag hat, ist laut diesen Ergebnissen klar im Vorteil – nicht nur beim Urlaubsgeld, auch bei Urlaubstagen, Weihnachtsgeld, Lohnerhöhungen und Arbeitsbedingungen“, sagte Hoffmann dem Tagesspiegel. Immer mehr Arbeitgeber flüchteten aus der Tarifbindung, weil sie glauben, dadurch einen Wettbewerbsvorteil zu haben. „Im globalen Wettbewerb gewinnt man aber nicht durch schlechte Arbeitsbedingungen, sondern durch hohe Qualität der Produkte und gut geführte Betriebe. Und den Wettbewerb um Fachkräfte gewinnt man mit Tarifbindung“, sagte der DGB-Chef.

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