Arbeitnehmervertretung : Berufseinsteiger immer seltener in der Gewerkschaft

Nur noch jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland ist nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Mitglied einer Gewerkschaft. Besonders niedrig ist der Organisationsgrad bei Berufseinsteigern.

Köln - In Westdeutschland seien zuletzt (2004) noch 21 Prozent der Arbeitnehmer gewerkschaftlich organisiert gewesen, in Ostdeutschland 18 Prozent. Dies teilte das arbeitgebernahe IW unter Berufung auf die alle zwei Jahre erstellte Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (Allbus) mit, für die 3000 Bürger befragt worden waren. 1980 sei noch ein Drittel der westdeutschen abhängig Beschäftigten Gewerkschaftsmitglied gewesen.

Die Legitimation der Gewerkschaften als Sprachrohr der Belegschaften stehe damit "auf immer wackligeren Füßen", meinte das Institut. Unter den Berufseinsteigern bis 30 Jahre sank der Organisationsgrad in Westdeutschland seit Anfang der 80er Jahre um elf Prozentpunkte auf durchschnittlich 15 Prozent in der ersten Hälfte dieses Jahrzehnts (2000-2004).

Gewerkschaftmüde sind laut IW auch die Beschäftigten der Generation 50 plus, von denen noch 23,4 einer Gewerkschaft angehörten. Hingegen sei in der Gruppe der 41- bis 50-Jährigen nur ein leichter Rückgang auf rund 30 Prozent zu verzeichnen.

Hoher Organisationsgrad bei Beamten

Besonders deutlich war das Abwandern bei den männlichen Vollzeitbeschäftigten in den alten Ländern - ihr Organisationsgrad sank der Umfrage zufolge von 39 auf 26 Prozent. Bei den Angestellten seien mit 15 Prozent besonders wenig, bei den Beamten mit 40 Prozent besonders viele Menschen im Besitz eines Gewerkschaftsausweises.

Von Ende 1995 bis Ende 2005 hat sich den IW-Angaben zufolge die Zahl der DGB-Gewerkschaftsmitglieder von 9,4 auf 6,8 Millionen Menschen verringert. Dabei kehrten der IG Metall, Verdi oder der IG Bergbau, Chemie, Energie gerade diejenigen den Rücken, die die Gewerkschaften vertreten, also die Arbeitnehmer. Das komme aber in den Spitzen der Gewerkschaften kaum zur Sprache. In der Zählung des Brutto-Organisationsgrads berücksichtigen die Gewerkschaften auch Mitglieder wie Studenten, Rentner und Arbeitslose und kämen damit zu höheren Ergebnissen als die Allbus-Umfrage, hieß es beim IW. (tso/dpa)

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