Arbeitsloser im Hungerstreik : Behörden lenken im Streik mit Rüdiger S. ein

Die Behörden in Niedersachsen haben zu Weihnachten einen Teil der Forderungen des Arbeitslosen Rüdiger S. erfüllt. Der 54-Jährige befindet sich aber weiterhin im Hungerstreik.

Berlin - Die Kürzung des Regelsatzes um 30 Prozent werde für Januar ausgesetzt, sagte Kreisrat Gero Geißlreiter im niedersächsischen Osterode. Auch solle die volle Übernahme der Heizkosten nach Weihnachten noch einmal geprüft werden. Im Januar sollen zudem Gespräche mit Rüdiger S. über dessen Arbeitsmöglichkeiten geführt werden. Rüdiger S. habe zunächst seine Drohung zurückgenommen, ab Weihnachten auch keine Flüssigkeit mehr aufzunehmen. Er bleibe aber vorerst im Hungerstreik und behalte sich eine spätere Verweigerung der Flüssigkeitsaufnahme vor. "Er setzt uns weiterhin unter Druck", sagte der Kreisrat.

Der 54-jährige Rüdiger S. verweigert seit Ende November die Nahrungsaufnahme, um damit gegen die Höhe der Heizkostenerstattung durch das Jobcenter zu protestieren.

Geißlreiter zufolge hatte sich der Politikwissenschaftler Peter Grottian eingeschaltet, der sich seit längerem gegen Sozialabbau engagiert. Bei dem Gespräch von Grottian mit dem Arbeitslosen am Freitagabend habe Rüdiger S. einen stabilen Eindruck gemacht, hatte Geißlreiter am Samstag mit Blick auf den Gesundheitszustand des Mannes gesagt. Im Januar solle mit Rüdiger S. über einen Ein-Euro-Job und die Möglichkeit für ein reguläres Arbeitsverhältnis gesprochen werden.

Das Jobcenter hatte sich geweigert, mehr als die gesetzlich vorgeschriebenen Heizkosten für Rüdiger S. zu übernehmen und ihm zudem die Bezüge um 30 Prozent gekürzt, nachdem er einen Ein-Euro-Job abgelehnt hatte. Rüdiger S. lebt dem Bericht zufolge in einem etwa 70 Quadratmeter großen Fachwerkhaus, das ihm gehört und bereits abgezahlt ist. Das Haus befinde sich in einem schlechten Zustand und sei sanierungsbedürftig, der Heizkostenzuschuss reiche deshalb laut Erwerbslosenforum Deutschland nicht aus. (tso/AFP)

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