Politik : Arbeitsloser ohrfeigt den Kanzler

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Mannheim/Berlin – Ein 52jähriger Arbeitsloser hat Bundeskanzler Gerhard Schröder am Dienstagabend bei einer SPD-Wahlveranstaltung in Mannheim geohrfeigt. Der Kanzler konnte jedoch nach dem Angriff weiter am Europafest der baden-württembergischen SPD teilnehmen. Er habe keine äußerlich sichtbaren Verletzungen erlitten, teilte die Polizei in Mannheim mit. Der Angreifer sei festgenommen worden.

Der Tatverdächtige aus Bad Krozingen (Breisgau-Hochschwarzwald) habe den Kanzler mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen, sagte ein Polizeisprecher. Über die Hintergründe des Angriffs herrschte zunächst Unklarheit. Der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg sagte, was genau vorgefallen sei, hätten nur ganz wenige mitbekommen. Der Angreifer sei sofort nach der Tat von Personenschützern des Bundeskriminalamtes überwältigt worden, hieß es bei der Polizei.

Der Zwischenfall ereignete sich, als Schröder am Abend bei einem Empfang für neue Parteimitglieder Autogramme gab. Nach Stegs Angaben hatte der Täter ein Papierschild für Neumitglieder am Arm getragen. Warum sich der 52-Jährige dem SPD-Regierungschef habe nähern können, müsse noch geklärt werden.

Zwei Amtsvorgänger Schröders wurden Opfer ähnlicher Attacken. 1968 ohrfeigte Deutsch-Französin Beate Klarsfeld Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger während eines CDU-Parteitags in Berlin, nachdem sie ihn schon früher als „Nazi und Mörder“ bezeichnet hatte. Sie wurde zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr verurteilt, die später auf Bewährung herabgesetzt wurde. Ein 22-jähriger Student gab 1971 dem damaligen Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) in München auf offener Straße eine Ohrfeige. „Das ist für die Politik im Osten“, begründet er seine Tat. dpa

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