Politik : Arbeitsmarkt kommt nicht in Schwung

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Berlin Nach dem überraschend schwachen Rückgang der Arbeitslosigkeit im August schwindet die Hoffnung auf einen kräftigen Herbstaufschwung. „Nach unserer Bewertung wird sich die Erholung der Wirtschaft für das zweite Halbjahr nicht auf den Arbeitsmarkt auswirken“, sagte Frank-Jürgen Weise, Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit (BA), am Donnerstag bei der Vorlage der Arbeitsmarktdaten für den August. Auch Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt schloss eine Besserung auf dem Arbeitsmarkt im zweiten Halbjahr aus. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) gab zu, dass die August-Zahlen noch keine Entwarnung gebracht hätten. Die Union warf der Regierung völliges wirtschaftspolitisches Versagen vor.

Im Vergleich zum Juli ging die Zahl der Arbeitslosen im August zwar leicht um 13 400 auf 4,35 Millionen Menschen zurück. Rechnet man aber noch die 110 000 Teilnehmer an Trainingsmaßnahmen hinzu, die seit Jahresbeginn nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik auftauchen, stieg die Erwerbslosigkeit tatsächlich auf den höchsten August-Stand seit der Wiedervereinigung. Ohne Berücksichtigung saisonaler Effekte waren im August sogar 24 000 Menschen mehr arbeitslos als im Juli. Die Arbeitslosenquote lag unverändert bei 10,5 Prozent. Nur in Berlin und Brandenburg ging die Zahl der Joblosen nach dem Ende der Urlaubszeit etwas zurück. Auf dem Lehrstellenmarkt bleibt die Lage kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres Anfang Oktober angespannt.

Für die nächsten Monate erwarten Arbeitsmarktexperten keine Entspannung. Die Bundesagentur für Arbeit hat ihre optimistischen Prognosen vom Frühjahr sogar zurückgenommen und rechnet nun für den Herbst mit „deutlich mehr als vier Millionen Arbeitslosen“, wie BA-Chef Weise sagte. Der leichte Aufwärtstrend in der Wirtschaft wirke sich noch nicht auf den Arbeitsmarkt aus. Auch die Union kann nach Worten von CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer keine Wende auf dem Arbeitsmarkt erkennen. Wirtschaftsminister Clement hält dagegen unbeirrt daran fest, dass die saisonbereinigte Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten sinken wird. „Im September und Oktober wird es besser werden“, sagte Clement.Tsp

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