Arbeitsmarkt : Müntefering erwägt Mindestlohn für Zeitarbeiter

Bundesarbeitsminister Franz Müntefering erwägt einem Zeitungsbericht zufolge die Einführung eines Mindestlohns für Zeitarbeiter. Der Koalitionspartner Union sträubt sich aber bisher dagegen.

Frankfurt/Main - Für sein Vorhaben wolle Müntefering das etwa im Bau geltende Entsendegesetz auch auf die Zeitarbeit ausdehnen, berichtete die "Frankfurter Rundschau" ("FR") unter Berufung auf Regierungskreise. Allerdings gebe es noch Bedenken in der Unionsfraktion.

Bei der Unionsfraktion werde befürchtet, durch die schrittweise Einführung von Mindestlöhnen könnte die Regierung zu sehr auf SPD-Kurs einschwenken. Im Gegensatz zu anderen Stimmen in seiner Partei sieht aber auch der nordrhein-westfälische Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) die Notwendigkeit, gegen die "sittenwidrigen Löhne bei Zeitarbeitern" vorzugehen. "Ich rufe die Skeptiker in meiner Partei zu einem Umdenken auf", sagte er der "FR". Laumann, der auch Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) ist, bevorzugt jedoch eine "tarifliche Lösung". Diese könne die Bundesregierung schon nach heutiger Rechtslage per Verordnung für die ganze Zeitarbeitsbranche für allgemein verbindlich erklären.

CDU-Arbeitnehmerflügel will notfalls Gesetze

Sollte dies aber am Widerstand der Arbeitgeberverbände scheitern, trage er auch ein gesetzliches Vorgehen mit, sagte Laumann. Die Bundestagsfraktion der Union habe über Mindestlöhne für Zeitarbeiter noch nicht entschieden, teilte ihr arbeitsmarktpolitischer Sprecher Ralf Brauksiepe (CDU) der "FR" mit. Er selbst stehe aber dem Vorschlag, das Entsendegesetz entsprechend auszuweiten, "offen gegenüber".

Der Bundesverband Zeitarbeit (BZA) hatte erst zu Wochenbeginn ein deutliches Wachstum der Branche bekannt gebeben. Demnach waren im vergangenen Jahr rund 375.000 Arbeitnehmer bei Zeitarbeitsfirmen beschäftigt und damit 52.000 mehr als 2004. Sparten, in denen die Zahl der Zeitarbeiter besonders stark wächst, sind die Metall- und Elektrobranche sowie der Dienstleistungsbereich. (tso/AFP)

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