Arbeitsmarkt : Scholz will Praktikanten besser stellen

Arbeitsminister Olaf Scholz will die Ausbeutung von Praktikanten mit abgeschlossener Ausbildung eindämmen. Er erwägt, Praktika klarer von Arbeitsverhältnissen abzugrenzen.

Cordula Eubel

Berlin„Bei einem Praktikum muss es eine angemessene Vergütung geben“, forderte der SPD-Politiker Olaf Scholz mit Verweis auf eine aktuelle Studie. Danach sind die Hälfte der Praktika von Berufseinsteigern unbezahlt (51 Prozent), zwölf Prozent erhielten eine unangemessene Bezahlung. Lediglich ein gutes Drittel (37 Prozent) der Praktikanten bekamen eine angemessene Vergütung – auch wenn das Berufsbildungsgesetz dies eigentlich vorschreibt.

Scholz sagte, viele Arbeitgeber handelten aus Unkenntnis. Deshalb strebe er eine „Klarstellung“ der Rechtslage im Paragrafen 612 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) an. Außerdem erwägt er, Praktika klarer von Arbeitsverhältnissen abzugrenzen, sowie für Vereinbarungen zwischen Arbeitgeber und Praktikant die Schriftform vorzuschreiben. „Wir wollen Praktika nicht kaputtmachen, sondern dafür sorgen, dass Praktikanten ordentlich behandelt werden“, sagte er. Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisierte die Pläne als wirkungslos und forderte den Arbeitsminister auf, Praktika generell auf drei Monate zu begrenzen.

Der Berufseinstieg gelingt jungen Menschen häufig nur über Umwege, wie aus der Studie des Internationalen Instituts für Empirische Sozialökonomie (Inifes) hervorgeht. So mussten 43 Prozent der Befragten nach der Ausbildung oder dem Studium ein oder mehrere Praktika absolvieren oder wurden befristet eingestellt. Nur ein knappes Drittel (31 Prozent) wechselte nahtlos in eine unbefristete Vollzeitstelle. Drei Viertel der Befragten gaben an, gute Einblicke in den Beruf erhalten zu haben, zwei Drittel erweiterten ihre beruflichen Kenntnisse. Befragt zur Arbeitssituation gaben 80 Prozent der Praktikanten an, sie seien etwa die Hälfte oder mehr ihrer Praktikumszeit als normale Arbeitskraft eingesetzt worden. Für die Untersuchung befragte Inifes rund 2600 Berufseinsteiger im Alter zwischen 18 und 34 Jahren. Cordula Eubel

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