Politik : ARD-Korrespondent in St. Petersburg verprügelt

Kurt Sagatz

St. Petersburg – Die zunehmenden Behinderungen von Journalisten bei der Berichterstattung von regierungskritischen Demonstrationen oder Oppositionsveranstaltungen in Russland sind kein Zufall, sagt Stephan Stuchlik. Der Russland-Korrespondent der ARD war am Sonntag bei einer Demonstration in St. Petersburg von Omon-Spezialeinheiten des Innenministeriums geschlagen und kurzzeitig verhaftet worden. Bereits am Sonnabend waren bei einer Demo in Moskau zwei ZDF- Journalisten zeitweilig festgenommen worden. „Ich habe den Eindruck, dass die Leute oben gesagt haben, wenn es einen Journalisten erwischt, ist es nicht so schlimm“, sagte Stuchlik dem Tagesspiegel.

An der genehmigten Kundgebung in St. Petersburg hatten rund 1000 Regierungskritiker teilgenommen. Im Anschluss daran wurden 500 Personen von den Uniformierten eingekesselt und zum Teil verhaftet. Obwohl er der Aufforderung eines Omon-Mannes nachgekommen sei, wurde er zuerst ins Gesicht geschlagen und dann in den Bauch getreten, sagte Stuchlik, der nach Feststellung der Personalien wieder freigelassen wurde. Wie lange ein ebenfalls verhafteter Kollege einer lokalen Radiostation in Gewahrsam blieb, konnte Stuchlik nicht sagen.

Die Putin-Regierung sei derzeit sehr nervös wegen der bevorstehenden Wahl zur Duma und der Präsidentenwahl im nächsten Jahr. „Sie haben Angst, dass sich die Situation in Russland so entwickelt wie in der Ukraine, in Georgien oder Kirgisien. Diese Angst überträgt sich auf die Sicherheitskräfte“, sagte Stuchlik. Die Arbeitsbedingungen für Journalisten in Russland haben sich nach seiner Ansicht massiv verschlechtert. „Man braucht immer mehr Drehgenehmigungen. Selbst harmlose Landschaftsaufnahmen müssen beim Geheimdienst FSB angemeldet werden.“ Berichte man von einer Pro-Putin-Veranstaltung, seien die Arbeitsbedingungen wie in jedem westlichen Land. „Berichtet man aber von der falschen Seite, wird man alle fünf Minuten angehalten. Es gibt zwar keine kompletten Arbeitsbehinderungen, aber die Bedingungen haben sich erheblich verschlechtert.“

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