Argentinien : Präsidentin Kirchner muss vier Wochen ruhen

Herber Rückschlag für die argentinische Präsidentin: Wegen diagnostizierter Hirnblutungen muss Cristina Kirchner vier Wochen lang ihre Amtsgeschäfte niederlegen. Diese Zwangspause bereitet das lateinamerikanische Land auf eine Phase vor, die spätestens 2015 anbrechen wird.

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Die Amtszeit von Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner endet in 2015.
Die Amtszeit von Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner endet in 2015.Foto: reuters

Die Augen leer, das Gesicht faltig: Das Foto mit dem die argentinische Tageszeitung "Clarin" ihre Leser am Samstag auf der hauseigenen Internetseite in die Nacht schickte, ist alles andere als vorteilhaft. Es zeigt eine kranke, eine vom Schicksal gekennzeichnete argentinischen Präsidentin Cristina Kirchner. Der Kleinkrieg zwischen Kirchner und Clarin, er tobt seit Jahren. Jeder soll sehen dass die Frau, die seit 2007 die Geschicke des Landes leitet, angeschlagen ist. Kirchner, die so viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres legt, bewusst hässlich zu zeigen, ist eine kleine Bosheit. Dass Clarin so wenig zimperlich ist, hat eine Vorgeschichte: Beide Seiten haben sich durch Attacken in den vergangenen Jahren das Leben schwer gemacht. Kirchner beschimpfte das Blatt in regelmäßigen Abständen, versuchte dem Unternehmen durch gesetzliche Regellungen das Leben so schwer wie möglich zu machen. Clarin revanchierte sich mit beißender Kritik und gerne auch unvorteilhaften Fotos.

Hirnblutungen bei der argentinischen Präsidentin

Bei einer Routineuntersuchung haben Ärzte nun eine Hirnblutung bei der argentinischen Präsidentin Kirchner festgestellt. Die Mediziner verordneten der linksgerichteten Politikerin deshalb einen Monat Ruhe. Bei Kirchners Erkrankung handelt es sich um ein sogenanntes chronisches Subduralhämatom. Die Präsidentin hatte Mitte August ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten. Regierungssprecher Scoccimarro erklärte, bei der 60-Jährigen sein eine Computertomographie des Gehirns durchgeführt worden, um eine einwandfreie Diagnose zu ermöglichen.

Die Nachricht von der Zwangspause elektrisiert das Land. Fast alle Sender brachten am Abend Sondersendungen, das Thema dominiert die Internetausgaben der Tageszeitungen. Denn es geht mehr als nur um Kirchners Gesundheit, es geht um das Ende des "Projektes K". Ihr verstorbener Ehemann Nestor und Cristina regieren das Land seit nun zehn Jahren. Ob Cristina nach zwei Wahlsiegen noch ein drittes Mal kandidieren kann, entscheidet sich Ende Oktober. Dann finden Parlamentswahlen statt. Gelingt es ihrer Partei "Frente para la Victoria" eine Zwei-Drittel-Mehrheit zu erreichen, könnte eine Verfassungsänderung möglich werden. Die wäre möglich, um Kirchner eine erneute Kandidatur zu ermöglichen.

Schlappe für Kirchner-Lager bei Vorwahlen

Doch es sieht schlecht aus: Bei den jüngsten Vorwahlen kassierte das Kirchner-Lager eine herbe Schlappe. Nichts deutet daraufhin, dass sie wie bei den Präsidentschaftswahlen 2007 und 2011 ihre Anhänger mobilisieren kann und einen strahlenden Sieg davontragen wird. Stattdessen deutet sich der Anfang vom Ende der Ära Kirchner an. Der Tod ihres Mannes, die Fehlgeburt der Partnerin ihres Sohnes und nun die Hirnblutung: Kirchners jüngste Vergangenheit hat ihren Tribut gefordert. Aus der einst strahlenden Hoffnungsträgerin ist eine gezeichnete Frau geworden. Nun wird sie für den Wahlkampf passen müssen.

Zuletzt waren in Buenos Aires aber auch den anderen argentinischen Städten die Massen auf die Straßen gegangen. Sie kritisierten einen fast schon diktatorischen Regierungsstil, eine überbordende Bürokratie, den wirtschaftlichen Stillstand und die Inflation. Nachdem es zu Beginn der Kirchner-Ära schien als könne Argentinien nach der Staatspleite wieder zu einer wirtschaftlichen Großmacht Südamerikas aufsteigen, zeigte der Trend zuletzt nach unten. Kirchners politische Entscheidungen dienten zuletzt vor allem dem eigenen Machterhalt, aber nicht mehr der politischen Vision für die sie einst angetreten war. Dass sie lieber Museen und Bibliotheken in Gedenken an ihren Mann eröffnete, statt sich um die wahren Probleme des Landes zu kümmern, nehmen ihr viele Landsleute übel.

Vierwöchige Zwangspause für Kirchner

Die vierwöchige Zwangspause bereitet das Land auf eine Phase vor, die spätestens 2015 anbrechen wird, wenn Kirchners aktuelle Amtszeit endet. Dann wird das Land insgesamt 14 Jahre lang von einem Ehepaar regiert worden sein. Eine solche lange Zeit kostet Kraft und es zehrt an der Gesundheit. Kirchner gibt die aktuelle Diagnose die Möglichkeit sich ohne Gesichtsverlust auf den politischen Ruhestand vorzubereiten. Ihr Rückzug ist dann nur noch eine Frage der Zeit. Die Ära Kirchner neigt sich dem Ende entgegen, die Zukunft hat schon begonnen.

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