Politik : Argentinien: „Zickenkrieg“ im Wahlkampf

Michael Schmidt

Buenos Aires - 26 Millionen Argentinier sind an diesem Sonntag zur Neuwahl eines Teils ihrer Volksvertreter aufgerufen – und alles spricht vom „Zickenkrieg“. Zur Wahl stehen die Hälfte der 254 Parlamentssitze, 24 der 72 Senatoren, und in 10 von 24 Provinzen werden die Regionalabgeordneten neu bestimmt. Der Sieger scheint dabei eigentlich bereits ausgemacht: Die regierenden Peronisten werden ihre Mehrheit wohl ausbauen. Dennoch führen zwei Damen einen leicht bizarr anmutenden Stellvertreterkrieg, dessen Schlachtfeld die Hauptstadt Buenos Aires ist, bevölkerungsreichste Region des Landes: Hilda González de Duhalde, genannt „Chiche“, Gattin des früheren argentinischen Präsidenten Eduardo Duhalde, und Cristina Fernández de Kirchner, Gattin des amtierenden Präsidenten Nestor Kirchner. Beide kandidieren für die regierende „Partido Justicialista“ (PJ) in Buenos Aires für einen Sitz im Senat.

„Es geht bei den Wahlen weniger um die Zukunft des Landes“, sagt Detlef Nolte vom Institut für Ibero-Amerikakunde in Hamburg, „es geht um persönliche Macht, um Einfluss und die Vorherrschaft innerhalb der regierenden Partei.“ Kirchner will die Macht seines Vorgängers Duhalde in der wichtigsten Provinz des Landes brechen. Denn wer den peronistischen Apparat in Buenos Aires kontrolliert, hat die gesamte Partei im Griff. Und wer gewinnt, der hat alle Chancen bei der Präsidentenwahl 2007, bei der vermutlich die Männer wieder selbst gegeneinander antreten werden. Deshalb wird mit harten Bandagen gekämpft: Obwohl sie derselben Partei angehören, bezichtigen sich die Damen Kirchner und Duhalde gegenseitig als Mafiosi, Vaterlandsverräter und Betrüger und überschütten die Menschen mit Wahlgeschenken: mit Haushaltsgeräten zum Beispiel bis hin zu Kühlschränken. Letzte Umfragen sehen Cristina mit weit mehr als 40 Prozent der Stimmen als sichere Siegerin vor der von vielen als etwas hausbacken angesehenen Chiche.

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