Arktis : Grönland stimmt für mehr Unabhängigkeit

Grönland hat mehr zu bieten als nur ewiges Eis. Vor seiner kalten Küste schlummern reiche Öl- und Gasvorkommen. Bislang kontrolliert die Bevölkerung ihre Bodenschätze jedoch nicht selbst. Das soll sich jetzt ändern: In einem Referendum haben die Grönländer mit Dreiviertel der Stimmen für mehr Unabhängigkeit von Dänemark gestimmt.

Grönland
Die größte Insel der Welt. In den Tiefen vor Grönlands Küsten schlummern große Öl- und Gasvorkommen. -Foto: dpa

Nuuk/KopenhagenDas war eindeutig: Wie die Regierung der größten Arktis-Insel am Mittwochmorgen nach Auszählung aller Stimmen mitteilte, sprachen sich gut 75 Prozent der Wähler für mehr Autonomie aus. Damit wurde ein Gesetz angenommen, das eine erweiterte Selbstverwaltung vorsieht und Grönland ein Eigentumsrecht an den Naturschätzen einräumt.

Das neue Autonomiegesetz hat die halbautonome grönländische Regierung mit Kopenhagen ausgehandelt. Der Bevölkerung der Insel, die mit 50.000 von insgesamt 57.000 mehrheitlich von den Inuit gestellt wird, ging es dabei unter anderem um eine größere Kontrolle der Bodenschätze, darunter Öl und Gas, das vor der Polarküste vermutet wird. Darüber hinaus werden die Grönländer als eigenes Volk anerkannt und Grönländisch - eine Inuit-Sprache - wird offizielle Landessprache werden. Für die Außen- und Geldpolitik soll aber weiterhin Dänemark zuständig sein.

Bedingung: Wirtschaftliche Überlebensfähigkeit

Eine Bedingung für die weitere Unabhängigkeit ist, die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit des riesigen Landes. Die größten Hoffnungen liegen dabei auf der Förderung von Bodenschätzen wie Öl, Erdgas, Gold oder auch Zink. Eine Voraussetzung dafür sind jedoch hohe Rohstoffpreise sowie ein weiteres Abschmelzen des Eises durch den Klimawandel. Denn erst dann lohnt sich die Förderung der häufig unter einem dicken Eispanzer liegende Schätze.

Ansonsten muss Grönland weiterhin Fisch exportieren und am Tropf dänischer Subventionen hängen bleiben.

1721 wurde Grönland dänische Kolonie, erhielt 1953 Provinzstatus und ist seit 1979 halbautonomes Gebiet mit eigener Zuständigkeit in der Gesundheits-, Bildungs- und Sozialpolitik. Mit mehr als 2,1 Millionen Quadratkilometern ist es die größte Insel der Welt. (sba/bai/AFP)

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