Politik : Arktische Energie für Europa Norwegens Gasreserven sollen die Welt versorgen

Claudia von Salzen

Berlin - Nach Deutschland hat Jonas Gahr Støre eine klare Botschaft mitgebracht: „Norwegen ist im Energiesektor ein langfristig verlässlicher Partner für Europa“, sagte der norwegische Außenminister am Freitagabend in Berlin. Schon jetzt beziehe Deutschland etwa ein Drittel seines Gasverbrauchs aus Norwegen – und das soll noch nicht alles sein: „Wir werden unsere Lieferungen an Europa signifikant erhöhen“, so Støre.

Spätestens seit es in Europa ein gewisses Unbehagen angesichts der wachsenden Abhängigkeit von Russland gibt, ist er in Europa ein gefragter Gesprächspartner. Und Energiepolitik wird in Europa heutzutage ohnehin mindestens so sehr von den Außenministern gemacht wie von den Wirtschaftsministern. Fragt man deutsche Diplomaten, wie denn die viel beschworene Diversifizierung im Energiesektor aussehen soll, wird immer wieder Norwegen genannt, das noch große Energiereserven in der Arktis hat. Støre gerät ins Schwärmen, wenn er von dieser Region spricht. Das Gebiet nördlich des 66. Breitengrades könnte „die neue Energieprovinz in Europa“ werden.

Sein deutscher Amtskollege Frank- Walter Steinmeier ist von der strategischen Bedeutung der Energiereserven im hohen Norden längst überzeugt. So reiste er im Frühjahr nach Hammerfest, um die deutsch-norwegische Zusammenarbeit im Energiesektor zu unterstützen. Nun vereinbarten die Minister, dass eine Arbeitsgruppe weitere gemeinsame Projekte finden soll. Selbst die USA sollen bald mit Gas aus Norwegen beliefert werden. Bereits in einem Jahr werde der erste Tanker mit in Norwegen hergestelltem Flüssiggas die US-Küste erreichen, berichtet der Außenminister.

Doch so rosig, wie sie sich auf den ersten Blick darstellt, ist die Situation für Norwegen in der Arktis derzeit nicht. Schließlich will auch Russland an den Energiereserven teilhaben. Jüngstes Beispiel ist das Stockmann-Gasfeld in der Barentssee, an dessen Ausbeutung überraschend dann doch keine ausländischen Unternehmen beteiligt wurden. Der norwegische Außenminister betont, sein Land respektiere diese Entscheidung. Fraglich sei aber, ob Russland nicht doch internationale Kooperation und vor allem Technologie brauche.

Norwegens Probleme mit Russland liegen woanders: Die Länder streiten noch immer darüber, wo genau in den Gewässern im Norden denn nun die Grenze verläuft. Der Bereich, auf den beide Anspruch erheben, kann von niemandem genutzt werden, solange diese Frage nicht geklärt ist. Die Tatsache, dass die Energiereserven in der Zwischenzeit zu einem Topthema auf der politischen Agenda geworden sind, macht die Lösung des Problems nicht einfacher. Doch Støre bleibt diplomatisch: „Wir haben einen Nachbarn, der eine Herausforderung für uns ist. Das kennen wir aber schon lange.“ Hilfe aus der EU will er für die Lösung des Problems nicht. „Das regeln wir allein.“

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