Politik : Arm – und trotzdem gut regiert

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Washington Eine gute Regierung ist Voraussetzung für einen höheren Lebensstandard – nicht umgekehrt. Mit fairen Gesetzen, verlässlicher Bürokratie, zuverlässiger Justiz, politischer Stabilität und wenig Korruption seien in den ärmsten Ländern große Fortschritte zu erreichen, heißt es in einer neuen Studie der Weltbank. Die Bewertung von 209 Ländern wurde an diesem Montag in Washington veröffentlicht. „Gute Regierungsführung ist kein Luxus, den sich nur reiche Länder leisten können“, sagte der Autor des Berichtes, Daniel Kaufmann.

Die Entwicklungsbank misst die Indikatoren der Regierungsführung auf einer Skala von minus 2,5 bis plus 2,5. Deutschland liegt bei 1,38, Afghanistan nur bei einen Wert von minus 1,24. Hervor hob die Weltbank Botsuana, Chile und Slowenien, die in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht hätten. Serbien, Indonesien und Peru hätten den Schutz von Bürger- und Menschenrechten erheblich verbessert, Südafrika, Südkorea und Bulgarien die öffentlichen Dienste.

Nach den Berechnungen kann die Verbesserung in einem der Indikatoren um einen Punkt das Pro-Kopf-Einkommen um 300 Prozent erhöhen. In vielen Ländern seien die Standards allerdings gesunken. „Im weltweiten Durchschnitt hat sich die Qualität der Regierungsführung nicht verbessert, was deutlich macht, dass entschlossenerer Fortschritt nötig ist, um die Armut zu bekämpfen“, heißt es in dem Bericht. Die Marktfreundlichkeit von Gesetzesbestimmungen beurteilt die Weltbank in Chile mit 1,62 Punkten, in Deutschland dagegen mit 1,29 Punkten. Weißrussland kommt dabei auf einen Wert von minus 1,78.Die Qualität der Polizei und die Unabhängigkeit der Justiz beurteilt die Weltbank in Deutschland mit 1,66 und in Russland mit minus 0,7.

Wichtig seien solche Tabellen für Reformer, die Fortschritte in ihren eigenen Ländern messen wollen, aber auch für ausländische Investoren und Entwicklungshilfegeber. Die USA vergeben Beihilfen bereits unter Berücksichtigung der Entwicklung solcher Indikatoren.dpa

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