Armee : "Freiwillige Wehrpflicht": Bürger dafür, Bundeswehr dagegen

Der Vorschlag der SPD, künftig keine Wehrdienstleistenden mehr zwangseinzuziehen, stößt bei den Deutschen auf große Zustimmung. Ganz anders sieht man das bei der Bundeswehr.

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Wie mache ich ein Bett? Oberfeldwebel Ludwig erklärt, wie es richtig geht. -Foto: ddp

BerlinDer Bundeswehrverband hat das Konzept der SPD zur Einführung einer freiwilligen Wehrpflicht als "unausgegoren" kritisiert. Wie die "Neue Osnabrücker Zeitung" berichtete, forderte Vorstandsmitglied Andreas Ahammer von der SPD konkrete Angaben zur Höhe des Solds und zu möglichen Vergünstigungen für freiwillig dienende Soldaten. "Mit der gegenwärtigen Besoldung ist kein junger Mann zufrieden", zitierte das Blatt den Verbandssprecher. Den Vorschlag, dass die bisherige Zwangsverpflichtung dann wieder greifen soll, wenn sich nicht 60.000 Soldaten freiwillig melden, hält Ahammer zudem für "verfassungsrechtlich bedenklich". "Mit Wehrgerechtigkeit hat das nichts zu tun", sagte der Verbandssprecher.

Auch die FDP kritisierte den SPD-Vorschlag und forderte stattdessen eine Aussetzung der Wehrpflicht. "Das heißt, wir wollen sie zwar in der Verfassung stehenlassen, jedoch nicht umsetzen", sagte Fraktions-Vize Birgit Homburger. Das gebe der Politik die Möglichkeit, bei Bedarf die Wehrpflicht mit einfacher Mehrheit wieder einzuführen. CDU-Fraktionsvize Andreas Schockenhoff bezeichnete das Wehrpflichtkonzept der SPD als "Belastung für die verteidigungspolitische Zusammenarbeit in der Koalition". Jede weitere Entscheidung über die Entwicklung der Bundeswehr werde von dem Problem überlagert sein, dass die SPD eine andere Bundeswehr wolle, als sie im Koalitionsvertrag vereinbart sei, zitierte die "Frankfurter Rundschau" Schockenhoff.

In der Bevölkerung stößt der SPD-Vorschlag zur Modifizierung der Wehrpflicht hingegen auf breite Zustimmung. Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid für den Nachrichtensender N24 zufolge befürworten 73 Prozent der Bürger die Idee, den Wehrdienst nur noch freiwillig anzutreten. Nur 23 Prozent sind dagegen. Sogar bei den Unionsanhängern findet das Konzept der Sozialdemokraten Unterstützung. 55 Prozent der CDU- und CSU-Wähler befürworten den Vorschlag, nur 39 Prozent lehnen ihn ab. (mit AFP)

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