Politik : Armee geht gegen Proteste in Bangkok vor

Bangkok - In der thailändischen Hauptstadt Bangkok sind bei erneuten Zusammenstößen zwischen Regierungsgegnern und Armee fast zweihundert Menschen verletzt worden. Das Militär ging am Samstag mit Wasserwerfern und Tränengas gegen rund 200 Demonstranten vor, die das Hauptquartier der Regionalarmee im Stadtzentrum umzingelt hatten, wie Armeesprecher Sunsern Kaewkumnerd mitteilte. Nach Angaben der Rettungsdienste wurden mehr als 90 Menschen verletzt. Einem AFP-Journalisten zufolge fielen bei Zusammenstößen in Bangkok auch Schüsse. Berichten des Fernsehsenders TPBS handelte es sich um Gummigeschosse.

An mehreren Orten der Hauptstadt bezogen Soldaten in gepanzerten Fahrzeugen Stellung, wie der Armeesprecher weiter sagte. In unmittelbarer Nähe eines Geschäftsviertels, das Tausende der sogenannten Rothemden seit Tagen besetzen, waren Anti-Aufruhr-Einheiten der Polizei zu sehen. Die Regierung von Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva hatte zehntausende Polizisten und Soldaten mobilisiert, um gegen die Rothemden vorzugehen. Die Armee übernahm nach Angaben ihres Sprechers inzwischen wieder die Kontrolle über einen oppositionellen Fernsehsender. Die Regierungsgegner hatten am Freitag das Gelände des Senders gestürmt, um die Wiederaufnahme des Sendebetriebs zu erzwingen. Die Demonstranten waren aus der Innenstadt, wo sie seit einer Woche eines der wichtigsten Geschäftsviertel besetzt halten, in einem Konvoi mit tausenden Mopeds und Kleinlastern zu dem Satellitenbetreiber 30 Kilometer nördlich gezogen. Der Verkehr kam teilweise zum Erliegen. Sie verlangten die Freischaltung ihres „Volkskanals“. Regierungschef Abhisit warf dem Sender dagegen Demagogie vor. Er verbreite Falschinformationen.

Die Rothemden sind zumeist Anhänger des 2006 gestürzten Regierungschefs Thaksin Shinawatra und stammen aus den ländlichen, ärmlichen Gegenden im Norden Thailands. Sie werfen Ministerpräsident Abhisit vor, nur mit Unterstützung der Armee und im Interesse der Eliten zu regieren. Abhisit steht unter dem Druck seiner Partei, die seit Wochen andauernden Massenproteste ohne Blutvergießen zügig zu beenden.

Um für die Einhaltung des seit Mittwoch geltenden Ausnahmezustands zu sorgen, wurden nach Armeeangaben gut 33 000 zusätzliche Polizisten und Soldaten in und um Bangkok mobilisiert. Sie würden „entschieden das Gesetz vertreten“, sagte Armeesprecher Sunsern Kaewkumnerd. Derzeit sind allein in der Hauptstadt mehr als 80 000 Sicherheitskräfte stationiert. Nach Schätzungen der Polizei stehen ihnen derzeit rund 60 000 Demonstranten gegenüber. dpa/AFP

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