Politik : Armee gibt Lazarette auf

Verkauf des Reservebestands / CDU wegen Terrorgefahr dagegen

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Berlin (hmt/deh). Die Bundeswehr will ihre 56 Reservelazarette aus der Zeit des Kalten Krieges auflösen. Das sind tausende Feldbetten und ganze Operationssäle – aus den späten 70er und frühen 80er Jahren. Die Union kritisiert dies vor dem Hintergrund der Terrorgefahr als „unverantwortlich“ . Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Friedbert Pflüger (CDU), sagte dem Tagesspiegel: „Ich fordere die Bundesregierung auf, entsprechende Pläne zu stoppen.“

Ein als Reservist im Ministerium tätiger Referatsleiter war entlassen worden, nachdem er Bundestagsabgeordnete in einem Brief vor der Auflösung gewarnt hatte. Gerade in Zeiten der Bedrohung durch terroristische Angriffe seien Lazarette zur schnellen Versorgung von vielen Verletzten nötig und sollten deshalb nicht leichtfertig aufgegeben werden, sagte Pflüger. Nach Angaben des Außenpolitikers hatten Sicherheitsbehörden bei einer Unterrichtung im Kanzleramt wörtlich erklärt: „Die Bedrohungslage für Deutschland ist nicht mehr abstrakt, sie ist konkret.“

Auch der ehrenamtliche Referatsleiter, ein Mediziner, hatte die Abgeordneten gewarnt, angesichts der drastisch gestiegenen Gefahr terroristischer Anschläge dürften sie die Auflösung und den Verkauf der teilweise fabrikneuen medizinischen Ausrüstung nicht akzeptieren. Der Mediziner hatte dafür geworben, die Lazarette so zu modernisieren, dass sie nach Terroranschlägen zur Versorgung Verwundeter eingesetzt werden können.

Dafür waren sie allerdings nie vorgesehen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums dem Tagesspiegel. Die Reservelazarette wären nur zum Einsatz gekommen, wenn der Verteidigungsfall ausgerufen worden wäre und die Reservisten zur Bedienung hätten mobilgemacht werden dürfen. „Sie brauchen sehr lange, bis sie aktiviert sind“, sagte er. Selbst wenn der „Verkaufserlös nicht groß sein wird“, könnte die Bundeswehr viel Geld sparen, wenn sie die Lagerkosten nicht mehr aufbringen müsste.

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) kann sich vorstellen, einen Teil der Betten „in unseren Bestand zu übernehmen“, sagte der DRK-Katastrophenschutzbeauftragte Ulrich Cronenberg dem Tagesspiegel. Er hält das neue Schutzkonzept des Innenministeriums für sinnvoll, nach dem „nicht mehr überall alles vorgehalten werden muss“, sondern je nach Gefährdungslage entschieden wird, welches Material nötig ist. Zwar weiß der Sprecher der Ständigen Konferenz für Katastrophenschutz und Katastrophenvorsorge, Harald Schattner, „dass wir nicht genug gut ausgerüstete Katastrophenzüge haben“. Allerdings bezweifelt auch er, dass die Reservelazarette diesen Zweck erfüllen könnten.

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