Politik : Armee marschiert in Beirut auf

Kairo - Am Tag nach den schweren Ausschreitungen im Libanon ist die Armee in Beirut aufmarschiert. Soldaten errichteten am Montag Straßensperren zwischen schiitischen Stadtvierteln in südlichen Vororten und den vorwiegend von Christen bewohnten Gebieten der Hauptstadt, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Die örtliche Presse brachte die Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften am Sonntag mit einem drohenden Bürgerkrieg in Zusammenhang. „Die Dämonen der Zwietracht versuchen die Feuer des Bürgerkriegs wieder zu entfachen“, titelte die französischsprachige Zeitung „L’Orient Le Jour“.

Zu den Auseinandersetzungen war es bei Protesten der Bevölkerung gegen ständige Stromausfälle gekommen. Sicherheitskräfte schritten ein und gingen gewaltsam gegen die Demonstranten vor. Dabei kamen sieben Menschen ums Leben. Mindestens 45 weitere Menschen erlitten Verletzungen, berichteten Krankenhausärzte am Montag. Unter den Opfern waren Mitglieder der schiitischen Oppositionsbewegungen Hisbollah und Amal. Beide Organisationen riefen die Bevölkerung zur Besonnenheit auf. Es waren die schwersten Zusammenstöße seit Januar 2007, als bei Studentenunruhen ebenfalls sieben Menschen getötet wurden. Regierungschef Fuad Siniora hatte für Montag Staatstrauer angeordnet. Alle Schulen und Universitäten sollten geschlossen bleiben.

Die Außenminister der Arabischen Liga forderten unterdessen die rivalisierenden Parteien im Libanon zur Wahl eines Präsidenten am 11. Februar auf. Alle Parteien seien angehalten, positiv auf die Bemühungen des Generalsekretärs der Liga, Amr Mussa, zur Beilegung der Krise zu reagieren und den Kompromisskandidaten Michel Suleiman an diesem Tag zu wählen, heißt es in der Abschlusserklärung der Sitzung. Am 11. Februar soll der 14. Anlauf zur Präsidentenwahl unternommen werden.

Seit dem Ende der Amtszeit von Präsident Emile Lahoud im November herrschen im Libanon ein Machtvakuum und eine innenpolitische Krise. Die Regierungsmehrheit im Parlament wehrt sich gegen syrischen Einfluss im Land, die Stimmen der prosyrischen Opposition sind allerdings für die Präsidentenwahl erforderlich. Auf die Präsidentenwahl soll die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit folgen. AFP/dpa

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