Armeebasis angegriffen : Konflikt im Süden Thailands eskaliert

Rebellen haben im Süden Thailands eine Armeebasis angegriffen, vier Soldaten getötet und eine große Zahl Waffen aus einem Depot entwendet.

Sascha Zastiral[Bangkok]

Bereits am Mittwochabend habe zunächst eine Gruppe von rund zehn Militanten in einem Ablenkungsmanöver die Basis in der Provinz Narathiwat von vorne angegriffen, während die übrigen etwa drei Dutzend Angreifer durch einen Hintereingang eingedrungen seien, erklärte ein Armeesprecher am Donnerstag. Die Angreifer hätten auf Soldaten gefeuert, Sprengsätze zur Explosion gebracht und zwei Gebäude angezündet. Dann seien sie mit 50 Maschinengewehren und 5000 Stück Munition entkommen. Am Donnerstag explodierten in allen drei südlichen Provinzen des Landes Sprengsätze. Dabei wurden mehrere Menschen verletzt.

Schon seit Jahrzehnten kämpfen im äußersten Süden des Landes Separatisten für eine Loslösung von Thailand. Die jetzige Gewaltwelle setzte 2004 ein. Bislang beschränkten sich die Angriffe vorwiegend auf Bombenanschläge und gezielte Morde. Der organisierte Angriff vom Mittwoch kam daher überraschend. Vize-Premier Suthep Thaugsuban sagte, die Angreifer hätten ihren letzten Angriff durchgeführt, um „Anwohner zu verängstigen“. Erst am Dienstag hatte Thailand den Notstand, der seit 2005 über einen Großteil der Unruheprovinzen verhängt ist, verlängert. Etwa 60 000 Soldaten sind in der Region stationiert.

Thailands drei südlichste Provinzen Yala, Patani und Narathiwat befinden sich seit etwa 200 Jahren unter der Kontrolle Bangkoks. Endgültig integriert wurde die Region in einem Abkommen zwischen den britischen Kolonialherrschern auf der malaiischen Halbinsel und dem Königreich Siam im Jahr 1909. Die große Mehrheit hier unterscheidet sich kulturell stark vom Rest Thailands: Mehr als 80 Prozent von ihnen sind Muslime und sprechen Jawi, einen malaiischen Dialekt. Dennoch ist Thai die einzige zugelassene Amts- und Unterrichtssprache. Eine Entschärfung des Konflikts durch eine größere regionale Autonomie und Anerkennung der lokalen Sprache, wie sie einige Akademiker und Politiker fordern, lehnt das traditionelle Establishment des Landes vehement ab. Etwa 4400 Menschen sind seit 2004 in dem Konflikt ums Leben gekommen.

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