Armut : Die EU will gegen soziale Ausgrenzung vorgehen

Die Europäische Union gehört zu den reichsten Regionen der Welt. Doch auch hier gibt es Armut. 16 Prozent der europäischen Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze – also der Schwelle, die bei 60 Prozent des Durchschnittseinkommens des Landes angesetzt wird, in dem sie leben.

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Fast schon alltäglich. Eine Frau in Berlin durchsucht einen Abfalleimer. Foto: ddpddp

Berlin - Die Europäische Union gehört zu den reichsten Regionen der Welt. Doch auch hier gibt es Armut. 16 Prozent der europäischen Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze – also der Schwelle, die bei 60 Prozent des Durchschnittseinkommens des Landes angesetzt wird, in dem sie leben. Angesichts der Verdienstmöglichkeiten in der EU ist Armut in Europa damit nicht gleichbedeutend mit Armut in den Entwicklungsländern. Arm zu sein, heißt dort oft: Unterernährung, Hunger und der Kampf ums tägliche Überleben. Was aber nichts daran ändert, dass auch die betroffenen Europäer die gleichen Folgen zu tragen haben wie Menschen in Armut anderswo auf der Welt: mangelnde Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, fehlende Anerkennung, gelegentlich auch Verachtung. Um dies zu ändern, haben die 27 EU-Mitgliedstaaten sowie Island und Norwegen 2010 zum „Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung“ ausgerufen.

Nach Angaben der Initiatoren lebt heute einer von zehn Europäern in einem Haushalt, in dem niemand arbeitet. Aber auch Arbeit schütze nicht immer vor dem Armutsrisiko – so genüge für acht Prozent der Europäer eine Arbeitsstelle nicht, um der Armut zu entkommen. In den meisten europäischen Mitgliedstaaten sind nach Angaben der EU-Kommission Kinder mehr noch als Erwachsene der Armutsgefahr ausgesetzt: Rund 19 Millionen Kinder seien von Armut bedroht. Damit sei jeder fünfte Europäer, den das Armutsrisiko trifft, ein Kind.

Die Konsequenzen der Armut sind auch in der Europäischen Union in den Augen der Initiatoren oftmals gravierend: Obwohl sich die europäischen Staats- und Regierungschefs im März 2000 das Ziel auf die Fahnen geschrieben hatten, die Beseitigung der Armut bis 2010 „entscheidend voranzubringen“, habe auch heute noch ein bedeutender Teil der europäischen Bevölkerung keinen Zugang zu Grunddienstleistungen wie der Gesundheitsfürsorge.

Für das „Europäische Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung“ soll ein Budget von mindestens 26 Millionen Euro zur Verfügung stehen; die EU stellt dabei 17 Millionen. Damit sollen unter anderem Sensibilisierungskampagnen, Solidaritätsaktionen und Begegnungen finanziert werden. Laut EU-Kommission sollen bei dem „Europäischen Jahr“ vor allem diejenigen zu Wort kommen, die Armut am eigenen Leib erfahren.

An den Projekten auf europäischer und nationaler Ebene beteiligen sich neben der EU und den Mitgliedstaaten auch Nichtregierungs- und Wohlfahrtsorganisationen. In Deutschland kritisierten Wohlfahrtsverbände das Aktionsprogramm des Bundessozialministeriums zum „Europäischen Jahr“. Die Verbände bemängelten, dass von den etwa 2,3 Millionen Euro an EU- und Bundesmitteln nur etwas mehr als die Hälfte in konkrete Projekte fließe, berichtete der „Spiegel“. Die andere Hälfte des Geldes komme einer privaten Agentur fürs Organisieren zugute.

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