Arnold Schwarzenegger : Grüner Actionheld

Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger ist der populärste Republikaner - am Montag wird er 60.

Ingo Wolff
Schwarzenegger
Einst Mr. Universum, heute Gouverneur von Kalifornien: Arnold Schwarzenegger. -Foto: dpa

Der Thaler See liegt eingebettet in eine Landschaft, die vor allem eines hat: viel Grün. Schwer vorstellbar, dass in diesem beschaulichen Ort am Rande von Graz ein Junge seine Runden schwamm, den heute die ganze Welt kennt. Hier hat sich Arnold Schwarzenegger ein urtümliches Gerät gebastelt – indem er einen Besen zwischen die Astgabeln zweier Bäume hängte – an dem er unaufhörlich Klimmzüge machte. Als er zwei Männer vorbeilaufen sah, die noch muskelbepackter waren als er, wollte der junge Arnold nur eines: so werden wie sie. Das war 1963. Es waren Kurt Marnul und Harald Maurer. Ersterer, ein mehrfacher Mister Austria, wurde zum Trainer und damit Entdecker des bekanntesten Österreichers seit Mozart.

Inzwischen ist aus dem jungen Bodybuilder einer der beliebtesten Politiker der USA geworden. Und heute, an seinem 60. Geburtstag, ist die Frage aktueller denn je: darf ein nicht gebürtiger Amerikaner Präsident oder sein Vize werden? Die Juristen sind sich einig, seine Fans auch. Während die Verfassung ein solches Staatsoberhaupt und einen Vize nicht erlaubt, feiern ihn seine Anhänger. Schwarzenegger hat gezeigt, dass man mit Umweltthemen Wahlen gewinnen kann. Der wohl größte Actionheld Hollywoods hat seinen Aktivismus, den er aus der heilen Umwelt seiner Eltern in die USA mitgebracht hat, ins konservative Lager getragen. Das bringt der Partei von Präsident Bush neuen Zulauf. Im Lager der Demokraten, die den Kongress beherrschen, gibt es daher kaum Interesse, die Verfassung für den populärsten republikanischen Politiker zu ändern. Ein Kandidat Schwarzenegger oder selbst ihn als Vize, würde Hillary Clinton arg in Bedrängnis bringen. Die Fans des Österreichers, der 1966 erst Graz und 1968 seine zweite Heimat München verließ, setzen ihre Hoffnung auf New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg, der als unabhängiger Kandidat ins Rennen gehen möchte. Schwarzenegger als Pragmatiker, der konservative und grüne Themen zu einem liberalen Programm verbindet, könnte sein Vize werden. Offen kritisiert Schwarzenegger inzwischen sogar Bush: „Was dem Land richtig schadet, ist die Art und Weise, wie in Washington zurzeit regiert wird.“

Noch 2003 bewarb sich Schwarzenegger mit minimaler Erfahrung, aber mit allem ,was ein Politiker braucht und ein Hollywoodstar mitbringt, um das Amt des Gouverneurs von Kalifornien. Das gelang. Doch dann kamen die ersten Rückschläge. In der Manier seiner Paraderollen Terminator und Conan, der Barbar versuchte er seine Ideen durchzusetzen. 2005 ließ er das Volk abstimmen, doch alle vier Referenden wurden abgelehnt. „Ich hätte besser auf meine Frau hören sollen“, entschuldigte sich Schwarzenegger. Ironie der Geschichte: Seine Frau ist Demokratin, und was für eine. Die Journalistin Maria Shriver ist die Nichte von John F. Kennedy. Sie hat er 1986 an den Ort seiner Entdeckung mitgenommen und ihr am Thaler See unweit seines Elternhauses einen Heiratsantrag gemacht. Heute hat das Paar vier Kinder.

Inzwischen sind die Muskelpakete des früheren Schauspielers und Mister Universum geschrumpft, nur das breite Siegerlächeln und sein ebenso breiter steierischer Dialekt, der sich auch in sein Englisch schummelt, haben sich erhalten. Seinen Ehrgeiz als Bodybuilder hat er in die Politik übernommen. „Immer wollte er nur trainieren, sogar als 16-Jähriger hat ihn das mehr interessiert als die Mädchen“, sagt Marnul. „Keiner hat so hart an sich gearbeitet wie er. Schon als Bua hat er gesagt, er geht in die USA und wird Mister Universum. Ich habe ihn damals ausgelacht“, erzählt der 77-Jährige.

Heute wird Schwarzenegger weltweit ernst genommen. Kalifornien übernahm unter seiner Führung in den USA eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz. Inzwischen haben auch New Jersey, Hawaii und die Stadt New York eigene Klimaschutzgesetze erlassen. Doch immer wieder rutscht ihm Hollywood in seine Politaussagen „Wir müssen den Treibhausgasen 'Hasta la vista, baby' sagen“, erklärte er auf einer Klimakonferenz in Miami. „Ich liebe es, Mehrteiler zu machen. Aber das ist ohne jeden Zweifel meine liebste Fortsetzung“, sagte der Gouverneur nach der Wiederwahl. „I’ll be back.“ Schwarzenegger wird zurückkommen, obwohl er nie weg war. Ingo Wolff

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