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„Wir haben dem Bären die Zähne ausgerissen“

Polens Ex-PräsidentWalesa feiert mit Staats- und Regierungschefs den 25. Geburtstag von Solidarnosc – und den Fall des Eisernen Vorhangs
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Es war wie ein Happening alter und neuer Revolutionäre. Das war von den Solidarnosc-Organisatoren auch so gewollt: Nicht nur knapp 30 europäische Staats- und Regierungschefs, auch Bürgerrechtler und Ex-Präsidenten wie Vaclav Havel und Richard von Weizsäcker feierten gemeinsam mit Solidarnosc-Gründer Lech Walesa das 25-jährige Jubiläum der Gewerkschaftsbewegung im überfüllten Danziger Kongresszentrum.

Den meisten Jubel unter den rund 600 Gästen lösten dabei zwei Politiker aus, die in Polen wie Rockstars verehrt werden: der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko und sein georgischer Freund und Amtskollege Michail Saakaschwili. Beide feierten die Solidarnosc als leuchtendes Vorbild für die orangefarbene und die Tulpenrevolution in ihren eigenen Ländern und dankten Polen für die Unterstützung auf dem Weg der früheren Sowjetrepubliken in den Westen. Aus einem Nachbarland Polens war dagegen kein staatlicher Vertreter eingeladen: aus Weißrussland, der letzten Diktatur Europas, die nach der umjubelten Prognose Saakaschwilis jedoch „bald auch von der Welle der Freiheit“ erfasst werden wird.

Alle Festredner betonten den Beitrag der Solidarnosc zum Fall des Eisernen Vorhangs. Walesa sagte in Anspielung auf die Sowjetunion, die Solidarnosc habe „dem Bären die Zähne ausgerissen – danach konnte er nicht mehr beißen“. Er ermutigte kommende Generationen zu zivilem Ungehorsam, wenn die Freiheit bedroht sei. „Wir waren so klein – und haben unsere Chancen genutzt“, sagte Walesa.

Sein Nachfolger Aleksander Kwasniewski, mit dem sich Walesa erst vor wenigen Wochen nach jahrelanger Feindschaft wieder versöhnt hatte, nannte den Solidarnosc-Gründer einen „Helden der Freiheit“ und stellte ihn in eine Reihe mit Persönlichkeiten wie dem südafrikanischen Ex-Präsidenten Nelson Mandela, den tschechischen Dissidenten und späteren Präsidenten Vaclav Havel und dem US-Bürgerrechtler Martin Luther King. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sagte, die Solidarnosc habe den Polen „menschliche Würde zurückgegeben“. Bundespräsident Horst Köhler nannte die Solidarnosc ein „weltweites Symbol der Freiheit“ und würdigte ihre Gründung als eine „Voraussetzung für die Einheit Deutschlands und Europas“.

Den Höhepunkt der Feiern bildete ein Gottesdienst vor den Toren der ehemaligen Danziger Lenin-Werft. Am Werftarbeiter-Denkmal zelebrierte der ehemalige Privatsekretär von Papst Johannes Paul II. und heutige Krakauer Kardinal Stanislaw Dziwisz vor rund 5000 Zuschauern eine heilige Messe. Mehrfach von begeisterten „Juschtschenko“-Rufen unterbrochen, erinnerte er an den Besuch des Papstes im Jahr 1979, der in den Menschen den Geist eines freien Polen geweckt habe. Am 31. August 1980 hatten Walesa und Polens Vizepremier Mieczyslaw Jagielski das „Danziger Abkommen“ unterzeichnet, in dem erstmals im kommunistischen Machtbereich eine freie Gewerkschaft zugesichert wurde.
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