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Ins Absurde gewendet

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Zur Debatte um Karikaturen und die Drohungen gegen den Berliner Karikaturisten Klaus Stuttmann erklärt die Chefredaktion des Tagesspiegels:



Die im Tagesspiegel am 10. Februar veröffentlichte Karikatur von Klaus Stuttmann hat eine enorm große Zahl von Anrufen und Mails hervorgerufen. Viele Iraner haben empört reagiert, manche auch die Redaktion beschimpft. Klaus Stuttmann wurde mit dem Tod bedroht. Andererseits meldeten sich viele Leser, die dem Karikaturisten und dem Tagesspiegel Unterstützung und Solidarität bekundeten. Denen möchten wir danken. Sie helfen uns.



Die Karikatur, um die es geht, bewegt sich innerhalb der Grenzen dessen, was in diesem Land von der Presse- und Meinungsfreiheit gedeckt ist. Klaus Stuttmann hatte die Diskussion über einen Einsatz der Bundeswehr in den Stadien während der Fußball-WM thematisiert. Er hat eine innenpolitische Debatte ironisch überspitzt und ins Absurde gewendet dargestellt. Er lehnt den Einsatz der Bundeswehr ab. Das zeigt sich schon auf den ersten Blick.



Richtig ist, dass nicht jede Karikatur jedem gefällt. Nicht jeder findet jede Karikatur gleich witzig oder gescheit. Auch uns geht das bisweilen so; und dennoch gehört es zur inneren Liberalität, zur wohlverstandenen Meinungsfreiheit, eine derartige Meinung – und auch das ist eine Karikatur – nicht nur zu ertragen, sondern sie zu drucken. Und sei es, um die eigene Meinung daran zu schärfen.

Richtig ist auch, dass niemand auf die Idee kommen soll, die Gefühle eines anderen Menschen verletzen zu wollen. Das gilt für Karikaturen wie im täglichen Leben. Dennoch kommt es vor, dass sich Menschen verletzt fühlen – oft aber lediglich aufgrund von Missverständnissen.



Wir bedauern die iranischen Reaktionen auf diese Karikatur, wir bedauern ihre Auswirkungen, hier und anderswo. Wir können sie uns nur mit mangelnder Vertrautheit mit der innenpolitischen Debatte in Deutschland erklären. Selbstverständlich wollten weder Klaus Stuttmann noch der Tagesspiegel die Integrität der iranischen Fußballer in Frage stellen. Wie kämen wir dazu? Schon aus der Tradition dieser Zeitung heraus, schon wegen der Tatsache, dass der Tagesspiegel seit 60 Jahren für Frieden und Verständigung eintritt, ist eine Unterstellung abwegig, wir hätten anderes gewollt.



Hass und Gewalt sind unsere Gegner. Wir folgen den Grundsätzen einer freiheitlich und demokratisch verfassten Gesellschaft, sind unabhängig und kritisch. Und wir klären auf. Denn die Werte, die zu unserer aufgeklärten Gesellschaft gehören, wollen wir hochhalten. Dazu dienen uns, wie den Kollegen in den anderen Medien, Berichte, Kommentare, Reportagen und – Karikaturen.



So möge es bleiben.



Stephan-Andreas Casdorff

und Lorenz Maroldt
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