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„Wir Frauen sind effizient und aufrichtig“

Chiles designierte Präsidentin Michelle Bachelet über Chiles Zukunft und ihre Erfahrungen in Deutschland
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Santiago de Chile - Die Sozialistin Michelle Bachelet hat die Präsidenten-Stichwahl in Chile gewonnen und wird als erste Frau das höchste Amt des Staates bekleiden. Nach Auszählung nahezu aller Stimmen erreichte die von einem Mitte-links-Bündnis unterstützte frühere Verteidigungsministerin 53,5 Prozent der Stimmen. Ihr konservativer Gegenkandidat Sebastian Pinera kam auf 46,5 Prozent. Er gestand seine Niederlage ein und gratulierte Bachelet zum Sieg. Der scheidende Staatschef Ricardo Lagos sagte seiner politischen Ziehtochter seine Unterstützung zu. Der Tagesspiegel sprach mit der allein erziehenden Mutter dreier Kinder über ihre Pläne:

Frau Bachelet, Politikerinnen sind in Lateinamerika auf dem Vormarsch. Was ist denn das Besondere, das sie mitbringen ?

Wir sind genauso fähig wie Männer und können ein Land genauso führen. Wir Frauen sind effizient und aufrichtig. Wir kämpfen mit voller Kraft für die Dinge, an die wir glauben. Und wir können vielleicht eher der Politik ein menschliches Antlitz geben.

Das Thema Menschenrechte und Aufarbeitung der Pinochet-Diktatur spielte im Wahlkampf fast keine Rolle.

Die Wunden und Narben der Diktatur werden immer bleiben, und wir müssen lernen, mit ihnen zu leben. Ich will die Versöhnung weiter vorantreiben. Auf der einen Seite müssen wir mehr Wahrheit und mehr Gerechtigkeit schaffen. Aber es muss auch Entschädigungen für diejenigen geben, die gelitten haben. Versöhnung bedeutet auch, den Benachteiligten mehr Chancen zu geben und unsere unterschiedlichen Meinungen zu respektieren. Es gibt natürlich immer Menschen, denen das Erreichte nicht weit genug geht und welche, denen es schon viel zu weit geht. Wichtig ist, dass Pinochet heute keine Rolle mehr spielt, er ist kein politischer Akteur mehr. Gleichwohl gibt es noch immer Defizite in der Demokratie, und der Übergang von der Diktatur ist noch nicht vollständig vollzogen. So schleppen wir immer noch Erblasten mit uns herum, für deren Abschaffung ich mich einsetzen werde.

Chile ist ein wirtschaftlich aufstrebendes Land. Wo liegen die größten Schwachstellen, was werden Ihre Prioritäten als Präsidentin sein ?

Chile hat eine der größten Einkommensscheren Lateinamerikas. Diese Ungleichheit müssen wir bekämpfen und eine Umverteilung vornehmen. Dazu müssen wir Arbeitsplätze schaffen und vor allem die kleinen und mittleren Unternehmen stärken, damit auch sie von den Freihandelsabkommen profitieren. Wir haben in der Bildung schon viel erreicht, aber müssen da noch nachlegen. Außerdem mache ich mich für eine Sozialreform stark, dabei genießt die Rentenreform meine größte Priorität. Die Privatisierung der Altersvorsorge hat viele Menschen ohne ausreichende Rente hinterlassen, obwohl sie viele Jahre eingezahlt haben. Aber wir brauchen vernünftige Pensionen, um in Würde zu altern. Das ist eine Aufgabe, die bisher keine Regierung in Angriff genommen hat.

Sie haben vier Jahre in der DDR im Exil gelebt. Welche Erfahrungen haben Sie mit nach Chile zurückgenommen?

Ich war damals noch sehr jung, und meine Erfahrungen sind daher begrenzt. Ich habe aber gelernt, mich einer fremden Gesellschaft zu öffnen. Zudem habe ich den Wert von Arbeit und Effizienz kennen gelernt und Erfahrungen in einer deutlich praktischeren als der chilenischen Gesellschaft gesammelt. Viel Deutsch ist mir leider nicht geblieben. Auch meinem Sohn nicht, der in Leipzig geboren wurde, aber schon mit acht Monaten nach Chile zurückkam. Aber er ist noch Fan der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Das Gespräch führte Sandra Weiss.

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