[Kommentare: 0]

Freie Fahrt für Rumsfeld

Belgien plant auf Druck der USA eine weitere Änderung seines Völkermordgesetzes: Nato-Besucher sollen Immunität genießen
Anzeige
Bild vergrößern
Die Angriffe von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld haben Wirkung gezeigt. Dieser hatte vor kurzem in Brüssel damit gedroht, die USA könnten die Finanzierung eines neuen Nato-Hauptquartiers am Brüsseler Stadtrand boykottieren, sollte Belgien sein Völkermordgesetz nicht erneut novellieren. Am Mittwoch nun vereinbarten die Spitzenunterhändler der belgischen Sozialisten und Liberalen, für Nato-Besucher wie Rumsfeld und Nato-Beamte eine Immunitätsklausel zu schaffen, die sie von einer Verfolgung durch das Genozid-Gesetz ausnehmen wird.

Das Gesetz ermöglicht es, Täter schwerer Menschenrechtsverletzungen in Belgien anzuklagen, auch wenn sie weder Belgier sind, noch die Tat in Belgien stattgefunden hat. Aufgrund des Gesetzes, das Opfern ein Klagerecht einräumt, waren Anzeigen gegen George Bush, den Vater des amtierenden US-Präsidenten, und Tommy Franks, US- Oberbefehlshaber im Irak-Krieg, eingereicht worden. Tatsächlich droht US-Politikern aber kein Verfahren in Belgien, denn die Regierung kann seit einer umstrittenen Gesetzesänderung Klagen gegen Verdächtige aus Staaten mit funktionierender Justiz an diese Länder weitergeben. Im Fall Franks ist das bereits geschehen. Den USA sei schon die Möglichkeit für Opfer und Hinterbliebene, öffentlichkeitswirksam Klage einzureichen, ein Dorn im Auge, vermutet der flämische „De Standaard“. Der liberale Senator Vincent van Quickenborne, einer der Mitinitiatoren des von Menschenrechtsorganisationen hochgelobten Gesetzes, glaubt, es könne notwendig werden, das gesamte Gesetz zu kassieren: „Erst dann werden die USA zufrieden sein.“

Zunächst hatte Belgien zurückhaltend auf die US-Drohungen reagiert, in denen unter anderem von einer Verlegung des Nato- Hauptquartiers nach Polen die Rede gewesen war. Aber wenn Rumsfeld die Herbsttagung der Nato in Brüssel zu boykottieren beabsichtigt, wie aus Nato-Kreisen verlautete, dann werde man diese zwangsläufig verlegen müssen, wurde gemutmaßt. Der Erste, der dann zu bedenken gegeben hatte, eine Abschwächung des Genozid-Gesetzes könne notwendig werden, war der sozialistische Verteidigungsminister Andre Flahaut. Umso bemerkenswerter, weil die Sozialisten bisher das Gesetz vehement verteidigt hatten. Bei den Liberalen war es dagegen bereits umstritten, denn es ermöglicht auch Klagen gegen Konzerne, die mit Diktaturen Geschäfte machen, und es schränkt den Spielraum von Außenminister Michel ein.
Sie interessieren sich für dieses Thema und wollen keinen Artikel im Tagesspiegel dazu verpassen? » Informieren | » Login

Aus anderen Ressorts

Von Grund auf
Auftrag, Ausrüstung, Finanzen, Struktur: Die Bundeswehr ist renovierungsbedürftig

Wiedereröffnung:

Die Nikolaikirche: Wie neu erschaffen
Die Nikolaikirche, Berlins ältestes Gotteshaus, wurde zwei Jahre lang saniert. Überwältigend schön strahlt nun wieder das mittelalterliche Bauwerk. Am Sonntag wird die Kirche, die inzwischen ein Museum ist, wiedereröffnet.

Kommentare [ 0 ]

zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Kommentar hinzufügen Neue Community-Funktionen Richtlinien


Sie können noch Zeichen schreiben.
Kommentare werden nicht sofort angezeigt. Beachten Sie hierzu unsere Richtlinien.

Um diesen Beitrag absenden zu können, müssen Sie eingeloggt sein.

Benutzername  
Passwort  
     
Sie haben noch keinen eigenen Account? Dann bitte
Geben Sie bitte folgende Daten ein, um sich zu registrieren und Ihren Kommentar zu speichern.
Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet, und nicht ohne Ihre Zustimmung an Dritte weitergegeben werden!

gewünschter Benutzername:
gewünschtes Passwort:
Wiederholung Passwort:
Email:


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wie viel ist 1 + 1 = 


Anzeige
Weitere Themen

Kopfpauschale: Opposition spricht von Täuschung Lesezeichen hinzufügen

Die Opposition greift Gesundheitsminister Philipp Rösler für dessen Reformpläne ... mehr...

Ex-Leiter der Odenwaldschule gesteht sexuelle Übergriffe Lesezeichen hinzufügen

Zwei Wochen nach schweren Missbrauchs-Vorwürfen hat der frühere Leiter der ... mehr...

Kindesmissbrauch: Psychotherapeut hatte Münchner Erzbistum gewarnt Lesezeichen hinzufügen

Von Claudia Keller
Im Skandal um sexuellen Missbrauch im Münchner Erzbistum hat der Psychotherapeut ... mehr...

Merkel kündigt harten Sparkurs an Lesezeichen hinzufügen

Die Koalition hat ihren ersten Haushalt verabschiedet – mit einer ... mehr...

Ex-General verärgert Niederlande mit Schwulen-These Lesezeichen hinzufügen

Der frühere Nato-Kommandeur John Sheehan glaubt, dass der Einsatz ... mehr...
Fotostrecken

Generaldebatte im Bundestag (22 Bilder)

Thailand (9 Bilder)

Dresden im Ausnahmezustand (11 Bilder)

Die glorreichen Sieben (7 Bilder)

100 Tage Schwarz-Gelb (16 Bilder)

Taliban attackieren Kabul (7 Bilder)
Mauerfall 1989 - Foto: dpa
Lesen Sie hier persönliche Geschichten aus dem Wendejahr
Meist diskutiert
versendet