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Agent oder Hochstapler?

Litwinenko-Kontaktmann wird in Italien verhört
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Rom - Wer ist Mario Scaramella? Was wollte er in der Halbwelt mysteriöser KGB-Agenten? Warum traf er sich, als Letzter, mit dem vergifteten Alexander Litwinenko? Um das zu klären, verhören römische Staatsanwälte den Mann seit Tagen.

Der Heiligabend, so gesehen, hat etwas Ruhe in das Leben Scaramellas gebracht. An diesem Tag wurde der 36-Jährige, der beständig zwischen – mindestens – Neapel, London, Moskau und Rom unterwegs war, in Italien verhaftet. Aufregende Tage hatte der Mann hinter sich: ein hektisches Treffen mit seinem Informanten Alexander Litwinenko in der mittlerweile berüchtigten Londoner Sushi-Bar, Untersuchungen im Krankenhaus auf Poloniumvergiftung (Befund: negativ), Hausdurchsuchungen in Neapel, Verhöre bei Scotland Yard. Scaramellas Anwalt versprach, sein Mandant, nunmehr festgehalten im römischen Gefängnis „Himmelskönigin“, werde „voll“ mit den Ermittlern zusammenarbeiten.

Die italienischen Staatsanwälte interessieren sich dabei weniger für die Rolle, die Scaramella möglicherweise bei Litwinenkos Vergiftung gespielt hat, sondern viel mehr für dessen inländische Umtriebe. Waffenhandel und „schwere, fortgesetzte Verleumdung“ werfen sie ihm vor. Strafrechtlich gibt das zwar weniger her als erwartet, der dritte Vorwurf aber – „Untreue gegenüber einer parlamentarischen Untersuchungskommission“ – deutet darauf hin, dass sich Italien mit der Verhaftung Scaramellas an eine der schmutzigsten politischen Affären des Landes herantastet. Scaramella, so zitiert eine Zeitung aus der richterlichen Begründung des Haftbefehls, sei „ein absolut unzuverlässiges Subjekt, das sich des Rückhalts von Institutionen und kriminellen Umfeldern bedient, um – zu persönlichen Zwecken – falsche Fakten zu konstruieren.“

Scaramella hatte sich im Wahlkampf zu Anfang des Jahres dem Lager Silvio Berlusconis mit dem Versprechen angedient, „Beweise“ für die KGB-Verbindungen des gegnerischen Spitzenkandidaten Romano Prodi zu beschaffen, beziehungsweise zu konstruieren. Und weil sich offenbar selbst Scaramella nicht in der Lage sah, eine Agententätigkeit Prodis zu belegen, sollten Berlusconis Leute wenigstens behaupten können, der Spitzenkandidat der Linken sei vom sowjetischen KGB „herangezüchtet“ oder „gepflegt“ worden. Eine entsprechend vorformulierte Erklärung soll Scaramella an Litwinenko gemailt haben, es fehlte zuletzt offenbar nur noch dessen Unterschrift.

Scaramellas Anlaufstelle im Lager Berlusconis war dessen Parteigänger und Senator Paolo Guzzanti. Dieser leitete seit 2002 eine parlamentarische Untersuchungskommission, die sich mit der KGB-Aktivität in Italien während des Kalten Krieges befasste. Um historisch-wissenschaftliche Aufklärung ging es dabei nicht. Scaramella gab an, Beweise dafür zu haben, dass sowjetische U-Boote im Golf von Neapel Torpedos mit Atomsprengköpfen versenkt hätten und dass auf den Hängen des Vesuv eine Funkstation stehe, mit der man diese Waffen losjagen könne. Scaramella „enttarnte“ zudem, dass östliche Geheimdienste gegen Ausschusschef Guzzanti und ihn selbst ein Attentat planten. Heute hat der Untersuchungsrichter den dringenden Verdacht, dass Scaramella die Kommission in die Irre geführt hat.
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