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Entwicklung hilft gegen Armut – aber nicht gegen Migration

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Berlin - Migration kann die weltweite Armut deutlich reduzieren helfen; der Wanderungsdruck wird aber durch steigenden Wohlstand in den Herkunftsländern auf absehbare Zeit nicht deutlich geringer werden. Für eine solche Entwicklung brauche es „viel, viel Zeit“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Jeff Dayton-Johnson vom Entwicklungszentrum der OECD in Paris. In einer Studie über „Migration und Entwicklungsländer“, die Dayton-Johnson und sein Kollege Johannes Jütting verfasst haben, verweisen sie darauf, dass gerade Menschen aus Regionen, die nicht zu den weltweit ärmsten gehören, häufiger Arbeit im Ausland suchen als die Bewohner der ärmsten Länder. Dayton-Johnson warnte bei der Vorstellung des Berichts in Berlin Politiker der reichen Länder vor der „falschen Hoffnung“, mit mehr Entwicklungshilfe seien Migrationsströme zu begrenzen.

Die Folgen von Migration für die ärmeren Teile der Welt sehen die Forscher vor allem positiv. So kurbelten die Rücküberweisungen von Migranten an ihre Familien in ihren Herkunftsländern nicht nur den Konsum an, wie oft kritisiert wird. Sie könne auch Entwicklung finanzieren: Auslandsmexikaner zum Beispiel investierten in Schulen und Straßen in ihren Dörfern; jeder Beitrag werde von der Regierung verdreifacht. Dieses Modell funktioniere jedoch nur bei engen Bindungen zwischen Geber und Gemeinde.

Auch der befürchtete „Brain Drain“, die Abwanderung der besten Köpfe und Spezialisten in die reichen Länder, sei „nicht so problematisch, wie wir erwartet hatten“, sagte Dayton-Johnson. Er treffe zwar die armen Länder am härtesten, doch hätten viele Migranten ihrem Beruf wegen unattraktiver Arbeitsbedingungen in der Heimat längst den Rücken gekehrt, bevor sie ins Ausland gingen.

Die Experten plädieren für die „zirkuläre Migration“, die vor einem Jahr Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und sein damaliger Kollege Nicolas Sarkozy vorgeschlagen hatten. Darüber diskutiert die EU derzeit. Dayton-Johnson sagte, bisher müsse ein Migrant oft im Zielland bleiben, weil ein Heimataufenthalt ihm für immer die Möglichkeit zur Rückkehr nähme. Umgekehrt bliebe eine jamaikanische Krankenschwester auch ihrem Krankenhaus in der Heimat erhalten, wenn man sie zwischen den USA und Jamaika pendeln ließe. Eine Lösung sei über andere Visa-Regeln „leicht möglich“, bedeute aber eine enge Verzahnung von Innen-, Außen- und Entwicklungspolitik.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 22.11.2007)
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