Es war am Vortag der Befreiung von Ingrid
Betancourt: Um ein Haar hätte der französische Auslandsnachrichtendienst den Tod der weltbekannten Geisel gemeldet. Diese Beinahepanne enthüllte jetzt die französische satirische und investigative
Online-Zeitung „Bakchich“ – 2006 von Nicolas Beau gegründet, einem früheren Journalist der Wochenzeitung „Le Canard enchainé“. Das Verteidigungsministerium in Paris lehnte dazu jede Stellungnahme ab.
Nach den Recherchen von „Bakchich“ kam die Nachricht vom angeblichen Tode Betancourts aus einem Spezialbüro, das im Mai 2007 auf Anweisung von Präsident
Nicolas Sarkozy eingerichtet worden war. Deren Mitarbeiter sollten alle Informationen über die Situation der französisch-kolumbianischen Geisel sammeln und auswerten.
Als der zuständige Abteilungsleiter des
Auslandsnachrichtendienstes den Text auf den Tisch bekam, wollte er über die Veröffentlichung nicht allein entscheiden. „Er erinnerte sich an einen früheren peinlichen Fall – der Auslandsnachrichtendienst hatte den Tod des saudischen
Königs Fahd gemeldet, sieben Jahre zu früh“, schrieb die Online-Zeitung. Nur weil sein Chef nicht da war, entschied sich der Abteilungsleiter, die brisante Nachricht zunächst unter Verschluss zu halten. Am nächsten Tag dann kam Ingrid Betancourt frei. Marie Masi
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 10.07.2008)
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