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DIE RESIDENZ

Zu Eduard Schewardnadse findet der Taxifahrer auch, ohne dass man ihm die Adresse nennt. Vorbei an der alten Antißchati-Kirche, das Ufer der Mtkwari entlang, dann rechts den Botschafter-Hügel von Tiflis hinauf. Hier reihen sich renovierte Villen an einfache Häuser, dazwischen vergnügen sich gackernde Hühner und kleine Kinder. Dann kommt es – das gediegene, verwitterte hohe Tor zum Anwesen Schewardnadses. Kein Wunder, dass der Taxifahrer es leicht findet: Der Altpräsident ist aus seiner Residenz nie ausgezogen. Sein Nachfolger hat sich eine neue Bleibe gesucht.



DIE SICHERHEIT

Schewardnadse hatte im eigenen Land viele Gegner, es gab drei Attentatsversuche gegen ihn. Das merkt, wer Einlass sucht; Tasche, elektronische Geräte, Dokumente – alles wird von den blau uniformierten Wachen am Tor genau geprüft; auch der wuchtige Schäferhund am Eingang verschafft sich laut geifernd Respekt.



DIE VERGANGENHEIT

Die schmucklose, bröckelnde Außenfassade des Residenzgebäudes erinnert daran, dass die Glanzzeiten ihres Bewohners allmählich verblassen. Innen ist alles sehr still, doch gediegen; elegante grün-goldene Tapeten, dunkle, schwere Möbel, Bücher, ein Kamin, hier lebt die Vergangenheit fort. Das gilt auch für Eduard Schewardnadse selbst. Freundlich und fest ist sein Händedruck, das Gehen fällt dem 81-Jährigen ein bisschen schwer, er spricht leise, mit langen Pausen. Doch seine Zeit als Außenminister der Sowjetunion ist für ihn lebendig wie eh und je. An den Wänden seines Arbeitszimmers hängen Fotos von Schewardnadse mit Ronald Reagan, Schewardnadse mit Bush, ein lachender Genscher. „Danke für Ihr Kommen, was möchten Sie von mir wissen?“, fragt er ruhig. „Die Freiheit der Völker war mir stets am wichtigsten“, beginnt er seine Antworten, bevor er immer tiefer in den historischen Ereignissen von damals versinkt.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 09.11.2009)
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