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Peking spendiert Milliarden

China engagiert sich wegen der Rohstoffe immer stärker in Afrika – um Kritik daran zu dämpfen, fließt Geld nun auch in Sozialprojekte
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Keine andere Entwicklung hat Afrika in den letzten zehn Jahren ähnlich stark geprägt wie die massenhafte Ankunft der Chinesen. In vielen Staaten des Kontinents sind Chinas Unternehmen und Händler aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Senegals Prachtstraße, der Boulevard du General de Gaulle in der Hauptstadt Dakar, wird mittlerweile auf einer Länge von mehreren hundert Metern von chinesischen Läden dominiert. Kaum anders ist das Bild am zentralafrikanischen Kupfergürtel oder im Norden Namibias, auch wenn die Läden der Asiaten dort meist nicht mitten im Zentrum, sondern eher am Stadtrand angesiedelt sind.

Wenn es nach der chinesischen Führung geht, wird diese Expansion auch in den nächsten Jahren weitergehen. Pekings Regierungschef Wen Jiabao kündigte jedenfalls weitere Milliardenhilfen für den wirtschaftlich zurückgefallenen Kontinent an. Allein in den nächsten drei Jahren wolle Peking Afrikas Staaten Kredite im Umfang von zehn Milliarden Dollar zur Verfügung stellen, sagte Wen zum Auftakt des zweitägigen China-Afrika-Forums in Ägypten. Allerdings sollen die Gelder nun vor allem in den Bau der vernachlässigten Infrastruktur sowie in Sozialprojekte fließen. Offenbar will Jiabao damit jenen Kritikern den Wind aus den Segel nehmen, die behaupten, China sei allein an Afrikas Rohstoffen interessiert – und ignoriere die Menschenrechte.

Umso mehr mühte sich der chinesische Premier am Sonntag in Scharm el Scheich darum, nicht bloß als Interessent an Afrikas Öl und Metallen aufzutreten. Rohstoffe seien nur ein Teil der Beziehungen, aber nicht der eigentliche Grund, warum sich die Volksrepublik so stark in Afrika engagiere, beteuerte er. In die gleiche Kerbe schlug Pekings Handelsminister Chen Deming, der betonte, dass China bereit sei, seine Einfuhrsteuern für Waren aus Afrika zu senken oder gar gänzlich abzuschaffen. Nach eigenen Angaben hat China im vergangenen Jahr 5,5 Milliarden Dollar in Afrika in Sachanlagen investiert. Zusammen mit allen bislang gewährten Krediten und Entwicklungsgeldern dürfte sich der Gesamtbetrag nach Schätzungen von Experten inzwischen auf 50 Milliarden Dollar summieren.

China forciert die Partnerschaft vor allem deshalb, weil Afrika für Peking inzwischen mehr als nur ein wichtiger Rohstofflieferant ist. Der Kontinent ist für China inzwischen zu einem immer bedeutsameren Absatzmarkt für dessen Billigwaren geworden, zumal der Westen wegen der Wirtschaftskrise immer öfter als Abnehmer ausfällt. Seit 2001 hat sich Chinas Handel mit Afrika auf umgerechnet mehr als 70 Milliarden Euro verzehnfacht. Damit ist China inzwischen Afrikas größter Handelspartner – noch vor den USA.

Washington selbst sieht diese Entwicklung zumindest nach außen hin gelassen. „Es gibt genug in Afrika zu tun und entsprechend viel Platz für alle“, sagte der stellvertretende US-Finanzminister Neal Wolin auf einer Visite in Südafrika. Allerdings erwarte seine Regierung von China bei dessen Geschäften mit Afrika „mehr Transparenz und die Anwendung globaler Standards“. Damit spielte Wolin darauf an, dass sich Peking oft ungeachtet der Menschenrechtslage in Afrika engagiert. Zuletzt sorgte weltweit ein Abkommen der Chinesen mit den Militärmachthabern im westafrikanischen Guinea für Empörung: Keine zwei Wochen, nachdem die dortige Militärjunta mehr als 150 Demonstranten niederschoss, die eine Rückkehr zu einer Zivilregierung gefordert hatten, schloss China mit den Machthabern einen Vertrag über die Nutzung von Öl- und Mineralienrechten im Wert von sieben Milliarden Dollar.

Allein in Angola, Chinas wichtigstem Partner in Afrika, liegt das Investitionsvolumen der Chinesen inzwischen bei fast zehn Milliarden Dollar – sehr zum Leidwesen des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank, die sich wegen der blühenden Korruption dort weitgehend aus der Finanzierung von Wirtschaftsprojekten zurückgezogen haben. Erst im März erhielt Angola von Peking eine Milliarde Dollar für die Landwirtschaft.

Immer mehr Kritik gibt es aber auch aus Afrika selber: „China saugt uns aus und gibt praktisch nichts zurück“, beklagt Mor Talla Kane, der Direktor des senegalesischen Arbeitgeberverbandes. Kane ärgert sich zudem darüber, dass die chinesischen Unternehmen wegen ihrer Unterstützung durch den eigenen Staat bei Ausschreibungen von Straßen und Infrastrukturprojekten die einheimische Konkurrenz mit Dumpingpreisen oft ausstechen. Daneben werde das einheimische Handwerk von der billigen chinesischen Fabrikware verdrängt, moniert Kane.

Unmut über das Verhalten der Chinesen schwelt auch anderswo: Sambias Oppositionsführer Michael Sata empörte sich bis vor kurzem laut darüber, dass die Chinesen nur daran interessiert seien, die Bodenschätze mit ihren Arbeitern und Maschinen fortzuschaffen. Auch der Politologe Alfredo Hengari beklagt, dass Chinas Engagement kaum Arbeitsplätze schaffe und zudem die Umwelt zerstöre. Stattdessen „lösen wir Chinas Probleme, indem wir seinen Arbeitern Jobs in unserem eigenen Hinterhof verschaffen“, sagt der namibische Wissenschaftler.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 09.11.2009)
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