Politik : Artenschutz: Die DDR war schneller

Dagmar Dehmer

Kaviar, Korallen, Vogelspinnen oder Elfenbein haben eines gemeinsam. Sie sind durch das Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt. Der Handel mit diesen Tieren, Pflanzen oder daraus herstellbaren Erzeugnissen ist verboten. 1583 Mal hat allein die Oberfinanzdirektion Cottbus, zu der die Zollbehörden Berlin und Brandenburg gehören, im vergangenen Jahr zugegriffen und verbotene Güter beschlagnahmt. 97 Kilogramm Kaviar waren dabei, 1279 Korallen oder Muscheln und drei lebende Vögel. Am Mittwoch vor genau 25 Jahren trat die Bundesrepublik dem "Abkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten wilder Tiere und Pflanzen" (Cites) bei. Sie war das erste Beitrittsland der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, der Vorläuferin der Europäischen Union, aber sie war trotzdem sieben Monate später dran als die DDR.

Inzwischen sind 154 Staaten dem Abkommen beigetreten, das 1975 in Kraft trat. Von Anfang an wurden indische Elefanten geschützt, erst 1991 kamen die afrikanischen Elefanten dazu. Sie waren durch den Elfenbeinhandel immer weiter unter Druck geraten. In den 80er Jahren waren die Dickhäuter akut vom Aussterben bedroht. Elefanten waren 1998 kurz nach dem Regierungswechsel in Deutschland auch der Grund, dass das Cites plötzlich wieder in den Schlagzeilen war. Die Zoologischen Gärten in Dresden und Erfurt hatten vier junge Tuli-Elefanten aus Botswana gekauft, weil die Tiere dort im Vorjahr aus dem strengen Schutz herausgenommen worden waren. Der frischgebackene Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) stoppte die Einfuhr der Elefanten im November 1998. Die beiden Zoos wehrten sich dagegen und bekamen vor dem Verwaltunggericht Köln auch Recht. Im Januar 1999 durften sie ihre vier umstrittenen Elefanten doch einführen.

Dabei war es, erinnert sich Dietrich Jelden, Leiter der Abteilung Artenschutz im Bundesnaturschutzamt, gar nicht um den Artenschutz gegangen. Das Geschäft war deshalb umstritten, weil die vier Tiere von Botswana nach Südafrika gebracht worden waren und dort von indonesischen Elefantenzähmern mit "bestialischen Methoden auf ihr Leben in der Gefangenschaft" vorbereitet worden waren, wie Jelden sagt. Doch gegen Tierschutzverstöße vermochte das Cites damals nichts auszurichten.

Dass es heute keine Schildpatt-Brillengestelle, Pelzmäntel aus gefleckten Großkatzenfellen oder Schildkrötensuppe mehr zu kaufen gibt, war in den 70er Jahren stark umstritten. Schließlich war Deutschland der führende Hersteller exklusiver Pelzmäntel und von Reptilleder-Handtaschen. Der Beitritt zu Cites hat ganze Wirtschaftszweige zum Zusammenbruch gebracht. Dass Deutschland trotzdem beigetreten ist, sei vor allem dem Tierschützer Bernhard Grzimek zu verdanken, meint Jelden im Rückblick. "Er hat dem damals zuständigen Minister Ertl die Hölle heißgemacht", berichtet Jelden.

Das Washingtoner Artenschutzabkommen sei ein "sehr erfolgreicher Vertrag", lobt auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Allerdings weise Cites auch einige Schwachstellen auf, meint Dietrich Jelden. Bei der gewerblichen Fischerei "ist Cites bis heute noch keinen Schritt weitergekommen". Die Fischerei-Lobby habe bisher erfolgreich verhindert, dass der Artenschutz in der Fischerei irgendeine Rolle spiele. Erschwerend komme hinzu, dass das große Geschäft in internationalen Gewässern gemacht werde, auf die die Vertragsstaaten kaum Zugriff haben. Doch der Schutz von Kabeljau, Hering und Hai vor den Schleppnetzen der professionellen Fischerei könnte die nächste große Aufgabe für das Washingtoner Artenschutzabkommen sein.

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