Politik : Artgerecht

Albert Funk

HINTER DEN LINDEN

Es ist zum Eierlegen mit der Politik. Und Schweinereien passieren da! Eine zum Beispiel im Bundesrat. Es geht um Hühner und Schweine. Ein paar Länder spielen die einen gegen die anderen aus. „Es ist im Grunde politische Erpressung“, sagt ein Beteiligter. Länder mit vielen Käfighennenbetrieben – allen voran das ei-schlägig bekannte Niedersachsen – wollen nämlich, dass die Käfighaltung von Legehennen länger als 2006 betrieben wird. Weil das den Betrieben dient. Um die Käfighaltung bis 2009 zu verlängern, haben sich die Käfighaltungsländer die eigentlich zur Verbesserung der Lebensbedingungen von Schweinen vorgesehene Nutztierhaltungsverordnung genommen und einige neue Absätze zu den Hennen eingefügt. Ohne Hühnerkäfige kein Schweinewohl, so lautet die Devise. Kommt aber die Schweineverordnung nicht, hat Verbraucherministerin Künast ein Problem mit Brüssel. Denn dort hat man Fristen gesetzt.

Wobei das mit den Hennen so eine Sache ist. Zu ihrem artgerechten Verhalten gehört ja das Herausbilden einer Rangordnung, hierin dem Menschen nicht unähnlich. Hackordnung nennt man das, oft führt der Vorgang zu Verletzungen. Fachleute wollen nun herausgefunden haben, dass das artgerechte Verhalten der Hühner ausartet, wenn zu viele von ihnen zusammen sind und Rückzugsräume fehlen. Erhebliche Tierverluste entstünden da. Außerdem würden solche Hühner öfter krank. Im Käfig, so die Logik, ist das nicht so schlimm. Irgendwie erinnert einen das ans eigene Dasein. Der moderne Großraumangestellte verhält sich ja auch artgerecht. Hackt, verletzt, wird häufig krank, wär’ gern mal allein . Also ab in den Käfig mit ihm. Zurück zum Einzelbüro. Wer im Bundesrat macht mit?

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