Arzneimittel-Skandal : Zahlt Grünenthal doch für verarmte Contergan-Opfer?

Nach Jahren der Weigerung hat es ein Treffen zwischen dem derzeitigen Grünenthal-Chef Wirtz und dem Verband der Contergan-Geschädigten gegeben. Dabei habe der Konzern offenbar Bereitschaft signalisiert, weitere Finanzhilfen zur Verfügung zu stellen.

Contergan
Demo gegen Vergessen und Verarmung: Contergan-Geschädigte vor dem Reichstag. -Foto: dpa

Aachen/AllmendingenVertreter des Bundesverbandes Contergan-Geschädigter haben sich erstmals mit dem Geschäftsführer des Arzneimittelherstellers Grünenthal, Sebastian Wirtz, getroffen. Bei dem Gespräch sei es darum gegangen, sich gegenseitig kennenzulernen und die Lebenssituation der Betroffenen zu erörtern, teilten die Verbandsvorsitzende Margit Hudelmaier und die Grünenthal GmbH mit. Der Verband habe "eindringlich auf die dringend notwendige Verbesserung der Lebenssituation sowohl in medizinischer als auch finanzieller Hinsicht hingewiesen", erklärte Hudelmeier. Weitere Gespräche seien geplant.

Wirtz hatte das Treffen Mitte November angeboten. "Für mich war das ein sehr bewegendes Gespräch", sagte er laut Mitteilung. "Ich habe großen Respekt vor den Betroffenen und bin tief beeindruckt, wie sie ihre derzeitige Lebenssituation meistern und schildern." Er und seine ganze Familie bedauerten sehr, was vor 50 Jahren geschehen ist. "Auch wenn ich zu dem damaligen Zeitpunkt noch nicht geboren war, möchte ich jetzt als Familienmitglied der dritten Generation versuchen, gemeinsam mit den Betroffenen die Contergan-Tragödie aufzuarbeiten."

Fonds inzwischen aufgebraucht

Hudelmeier bewertete den Verlauf des Gesprächs als positiv. Es gebe dem Verband "Anlass zur Hoffnung, dass die Firma Grünenthal bemüht ist, ihren Beitrag zur Verbesserung der Situation zu leisten".

Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre waren weltweit mehrere tausend Kinder zum Teil schwer fehlgebildet auf die Welt gekommen, weil ihre Mütter während der Schwangerschaft das lange rezeptfreie Schlafmittel Contergan eingenommen hatten. Nach einem Vergleich mit den Opfern hatte Grünenthal 1971 rund 56 Millionen Euro (110 Millionen Mark) in die Contergan-Stiftung für behinderte Menschen eingezahlt, der Bund steuerte weitere 51 Millionen Euro bei. Seit 1997 ist das Geld aufgebraucht. Der Fonds, aus dem die bundesweit noch etwa 2700 lebenden Betroffenen eine monatliche Rente von maximal 545 Euro erhalten, wird seither allein vom Bund finanziert. (mit dpa)

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