Asien-Gipfel : EU und Indien bauen Partnerschaft aus

Die EU und Indien haben auf ihrem sechsten Gipfeltreffen vereinbart, beim Anti-Terror-Kampf stärker zusammenzuarbeiten und ihre Handelsbeziehungen auszubauen.

Neu Delhi (07.09.2005, 15:50 Uhr) - Im Rahmen ihrer strategischen Partnerschaft haben die EU und Indien den Ausbau ihrer Handelsbeziehungen und eine stärkere Zusammenarbeit beim Anti-Terror-Kampf vereinbart. Der indische Premierminister Manmohan Singh und sein britischer Amtskollege, der amtierende EU-Ratspräsident Tony Blair, verabschiedeten am Mittwoch in Neu Delhi einen Gemeinsamen Aktionsplan. Beim sechsten EU-Indien-Gipfel vereinbarten beide Seiten außerdem eine Beteiligung Indiens am europäischen Satellitennavigationssystem Galileo. Die EU lud Indien ein, sich an der internationalen Fusionsforschungsanlage ITER zu beteiligen.

"Der Gemeinsame Aktionsplan bringt die Beziehungen zwischen der EU und Indien auf ein neues, höheres und intensiveres Niveau", sagte Blair, der von einem "Wendepunkt" sprach. "Meiner Meinung nach ist das lange überfällig gewesen." Singh nannte den Aktionsplan einzigartig und einen Wegweiser für die künftige Zusammenarbeit. Der indische Premierminister verkündete zudem, seine Regierung habe den Kauf von 43 Airbus-Flugzeugen im Wert von 2,2 Milliarden US-Dollar (1,76 Milliarden Euro) für die staatliche Fluggesellschaft Indian Airlines genehmigt.

In einer gemeinsamen Erklärung betonten beide Seiten "die essenzielle Rolle der Vereinten Nationen bei der Wahrung des internationalen Friedens". Singh sagte zu Indiens Streben nach einem ständigen Sitz im Weltsicherheitsrat: "Wir haben nicht aufgegeben." Indien bemüht sich in der so genannten G-4-Gruppe gemeinsam mit Deutschland, Japan und Brasilien um den Einzug in das Gremium. Blair sagte, Großbritannien unterstütze Indien. Die Zusammensetzung des Sicherheitsrats spiegele derzeit nicht die Wirklichkeit wider.

EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner bezeichnete den Gipfel als historisch. Die 2004 vereinbarte strategische Partnerschaft, die Indien auf eine Stufe mit EU-Partnern wie den USA, China und Russland stellt, werde nun mit Leben gefüllt, sagte sie der Deutschen Presse- Agentur (dpa) am Rande des Treffens. "Wir meinen es ernst." Der Gemeinsame Aktionsplan sei sehr ambitioniert.

Die europäische Delegation war so hochrangig besetzt wie noch nie in der Geschichte der seit dem Jahr 2000 jährlich stattfindenden Indien-EU-Gipfel. Neben Blair nahmen Kommissionspräsident José Manuel Barroso, der Außenbeauftragte Javier Solana, Ferrero-Waldner und Handelskommissar Peter Mandelson an den Gesprächen teil. Indien gilt als eine der kommenden globalen Wirtschaftsmächte.

Zuvor hatte in Peking der achte EU-China-Gipfel stattgefunden und einen Durchbruch im Streit um chinesische Textileinfuhren gebracht. Die EU ist Indiens größter Handelspartner. Das Handelsvolumen zwischen der EU und Indien nahm im vergangenen Jahr verglichen mit 2003 um 16,9 Prozent auf 33,2 Milliarden Euro zu. (tso/dpa)

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