• Asiens Armenhaus bemüht sich um eine ansehnlichere Fassade - Der Westen macht seine Unterstützung von Veränderungen abhängig

Politik : Asiens Armenhaus bemüht sich um eine ansehnlichere Fassade - Der Westen macht seine Unterstützung von Veränderungen abhängig

Robert Luchs

Saynone Vannasit ist im Stress. Schnell nimmt er die Pässe zweier kanadischer Rucksack-Touristen in Verwahrung, dann versinkt sein Kopf wieder hinter dem Tresen des Gästehauses in der laotischen Hauptstadt Vientiane. Der 23-jährige Vannasit büffelt Englisch für die Abendschule, und wenn dann noch Zeit bleibt, bereitet er sich für die Prüfung als Fahrer eines Tuk-Tuk vor, einer Art Motorrad-Rikscha mit Ladefläche. Wer in Vientiane dem trägen Charme der Rückständigkeit erliegt, hat keine Zukunft. Nur wer lernwillig und bereit ist, auch 14 Stunden im Alltagskampf durchzuhalten, hat in Laos geringe Aufstiegschancen.

Das Armenhaus Asiens bemüht sich um eine ansehnlichere Fassade. In Vientiane, mit den 500 000 Einwohnern oft als größtes Straßendorf der Welt geschmäht, entsteht neben neuen Hotels ein eindrucksvolles Kulturzentrum, das Ufer des Mekong wird großzügig gestaltet, Straßen werden verbreitert. Und wenn Videoshops und Computerläden unweit von himmelwärts strebenden Tempeln ein Zeichen von Fortschritt sind, dann zieht dieser unaufhaltsam in das einstige Königreich ein. Noch zahlt er sich aber nicht aus für die laotische Bevölkerung, jedenfalls nicht für ihre große Mehrheit.

Auf der Fahrt von der "Freundschaftsbrücke" über den Mekong, die Thailand und Laos verbindet, fallen neue stattliche Villen auf zwischen ärmlichen Hütten beiderseits der zerklüfteten Straße. Bei der rudimentären Wirtschaftsstruktur des dünn besiedelten Landes ist der augenfällige Reichtum schwer zu erklären, zumal die kommunistische Einheitspartei ihren Volksvertretern nur ein schmales Salär zubilligt. Selbst Präsident Khamtay Siphandone soll lediglich bescheidene 300 Dollar jährlich erhalten.

Man müsste schon den verschlungenen Wegen des Opiumschmuggels nachgehen, um die ominöse Herkunft des Reichtums der kleinen laotischen Oberschicht zu ergründen. Im Mohnanbau rangiert Laos weltweit an dritter Stelle. Eingekeilt zwischen China, Burma, Thailand, Kambodscha und Vietnam, ohne direkten Zugang zum Meer, blieb Laos seinen Nachbarn im guten wie im schlechten Sinne ausgeliefert, ohne seine geographische Lage als Drehscheibe für eben diese Länder nutzen zu können. Nur im Zeitlupentempo verändert sich die erbärmliche Infrastruktur.

Laos hat die Auflösung der kommunistischen Regime in Mittel- und Osteuropa besonders schwer verdaut. In internationalen Fragen lag es bis zur Wende ganz auf der sowjetischen Linie, in regionalen Fragen orientierte es sich an Vietnam, zu dem weiterhin besonders intensive Beziehungen bestehen. Mit Abstand wichtigster Handelspartner ist Thailand.

Deutschland, nach Japan zweitwichtigstes Geberland, hat bisher 350 Millionen Mark an Entwicklungshilfeleistungen gezahlt. Über 30 Entwicklungshelfer helfen bei der technisch-handwerklichen Berufsausbildung und der landwirtschaftlichen Beratung. Inzwischen gibt es allerdings klare Signale des Westens an die laotische Führung, sie müsse ihren verknöcherten Kurs aufbrechen, soll nicht das gesamte Hilfssystem auf den Prüfstand gestellt werden.

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