Politik : Assad-Äußerung: "Missverständnis"

Andrea Nüsse

Der syrische Präsident Bashar al-Assad bereut seine Äußerungen zur Begrüßung von Papst Johannes Paul II. in Damaskus am Sonnabend wahrscheinlich bereits. Die harsche Kritik, die er in Israel, den USA und Frankreich auslöste, hat ihn bereits zu einer Richtigstellung gezwungen. Im Gespräch mit dem amerikanischen und dem französischen Botschafter machte ein Beamter klar, dass Assad keine Religion "diffamieren" wollte. Sein Ziel sei gewesen, zur Beendigung des "blutigen" Vorgehens der Israelis gegen die Palästinenser aufzurufen.

Assads Kritik habe sich gegen das unverhältnismäßige Vorgehen der israelischen Besatzungstruppen gerichtet. Die Kritik des Auslandes beruhe auf einem Missverständnis. Den Vorwurf des Antisemitismus versuchte Assad selbst am Dienstag bei der Abreise des Papstes mit dem Argument zu entkräften, dass die Araber selbst Semiten seien. Außerdem entspreche es der "historischen Wahrheit", dass Juden Jesus verraten hätten. Der junge syrische Präsident hatte den Israelis vorgeworfen, sie versuchten die religiösen Prinzipien auf die gleiche Weise zu töten wie sie Jesus Christus verraten und versucht hätten, den Propheten Mohammed zu töten.

Diese Äußerungen hat nun auch Bundesaußenminister Joschka Fischer bei der Eröffnung der neuen israelischen Botschaft in Berlin scharf kritisiert. Der deutsche Botschafter in Damaskus, Gunter Mulack, hat seinerseits jedoch noch keine Einberufung erhalten. Er hat aber bereits von sich aus am Mittwoch bei einem Gespräch mit dem syrischen Vize-Außenminister Suleiman Haddad das Thema angesprochen, sagte er dem Tagesspiegel. Viele Beobachter vermuten, dass in der arabischen Welt das Gespür dafür fehlt, welche Reaktionen solche Äußerungen im Westen auslösen. Das Gefühl völliger Ohnmacht gegenüber dem Vorgehen der israelischen Truppen gegen die Palästinenser führe dazu, dass sie sich zu solchen Hasstiraden hinreißen ließen.

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