Assad sorgt sich um Syriens Zukunft : Depressionen eines Diktators

Der einst allmächtige Baschar al Assad weiß, dass er verloren, so berichten Insider, die den syrischen Präsidenten kürzlich in seinem Palast besuchten. Er habe Syriens Zukunft zerstört - und stecke nun in der Falle.

von
Hat Assad die Zukunft seines Landes zerstört?
Hat Assad die Zukunft seines Landes zerstört?Foto: dpa

Syriens Präsident ist längst Gefangener im eigenen Palast. Russische Besucher aus dem Kreml, die den einst allmächtigen Baschar al Assad kürzlich besuchten, fanden ihn depressiv und in sich gekehrt vor. Der 47-Jährige wisse, dass er seine Haut nicht mehr retten kann, dass sein Regime verloren und er Syriens Zukunft zerstört hat. „Er lebt in dem Gefühl, so oder so getötet zu werden“, erläuterte Fjodor Lukjanow, Herausgeber einer russischen Zeitschrift für Außenpolitik, der „New York Times“. Assad stecke in der Falle: „Versucht er zu fliehen, bringen ihn seine eigenen Leute um. Bleibt er dort, werden ihn seine Gegner töten.“ Vor einem Monat hatte der syrische Diktator im Interview mit einer russischen Zeitung denn auch öffentlich bekräftigt, er werde „in Syrien leben und sterben“.

Konflikt an syrisch-türkischer Grenze droht zu eskalieren
Rauch in den Straßen der südosttürkischen Stadt Akcakale: Am 3. Oktober war der Ort von syrischer Seite mit Granaten beschossen worden. Die türkische Regierung reagierte sofort und nahm syrische Ziele unter Beschuss. Dies sei als Warnung an das Regime von Präsident Baschar Assad zu verstehen, sagte ein Berater des türkischen Ministerpräsidenten Erdogan am Donnerstag.Alle Bilder anzeigen
1 von 8Foto: dapd
04.10.2012 13:26Rauch in den Straßen der südosttürkischen Stadt Akcakale: Am 3. Oktober war der Ort von syrischer Seite mit Granaten beschossen...

Trotzdem schickte Assad offenbar vergangene Woche seinen Vizeaußenminister nach Lateinamerika, um nach einem möglichen Asylland für sich und seine engste Familie zu suchen. Auch einige Länder der arabischen Welt hatten sich schon vor Monaten bereit erklärt, Assad Asyl zu gewähren. Die Vereinigten Staaten ließen durchblicken, sie seien über alle diese Bemühungen im Bilde. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon dagegen unterstrich, er halte Asyl für Assad nicht für den richtigen Weg, Syriens Bürgerkrieg zu beenden. Die Vereinten Nationen erlaubten in einem solchen Fall keine Straflosigkeit.

Von der engsten Familie Assads scheint nur noch Ehefrau Asma mit den drei Kindern in Damaskus zu sein. Assads Mutter und seine Schwester Bushra haben sich bereits vor drei Monaten nach Dubai abgesetzt. Bushras Mann Assef Shawqat war bei dem schweren Bombenanschlag auf die Regimespitze Mitte Juli getötet worden. Assads jüngerem Bruder Maher wurde damals ein Bein abgerissen. Er wird angeblich in Moskau medizinisch versorgt.

41 000 Menschen hat der Bürgerkrieg bisher das Leben gekostet, viele tausend sind vermisst, zehntausende in den Folterkellern des Regimes gefangen. Mehr als drei Millionen Syrer sind Flüchtlinge im eigenen Land oder haben in der Türkei, Irak, Libanon, Jordanien und Ägypten Zuflucht gesucht.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

Autor

2 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben