Assyrische Ruinenstadt im Irak : IS setzt Zerstörungsfeldzug im antiken Nimrud fort

Der IS hat nach Mossul die nächste antike Stadt im Nordirak ins Visier genommen. In Nimrud haben die Dschihadisten damit begonnen, historische Ausgrabungsstätten zu zerstören. Aufgrund der Militäroffensive in Tikrit haben bereits 28.000 Menschen die Region verlassen.

Ein Archivbild aus dem Jahr 2003 zeigt einen bewaffneten Wachmann in der antiken Kultstätte Nimrud im Nordirak.
Ein Archivbild aus dem Jahr 2003 zeigt einen bewaffneten Wachmann in der antiken Kultstätte Nimrud im Nordirak.Foto: dpa/Shawn Baldwin

Nach der Zerstörung antiker Kulturschätze im irakischen Mossul haben die Dschihadisten der Organisation "Islamischer Staat" (IS) die historische Ruinenstadt Nimrud ins Visier genommen. Nach Angaben des irakischen Tourismusministeriums und der Antikenverwaltung begannen die Extremisten am Donnerstag damit, die wertvollen Ruinen der assyrischen Stadt mit Planierraupen zu zerstören. Die UNO teilte unterdessen mit, dass wegen der Offensive zur Rückeroberung Tikrits bereits 28.000 Menschen die Region verlassen haben.

IS-Kämpfer hätten die "historische Stadt Nimrud gestürmt und begonnen, sie mit Planierraupen zu zerstören", teilte das Ministerium für Tourismus und Antiquitäten mit. Ein Vertreter der Antikenverwaltung bestätigte die Angaben. Das Ausmaß der Zerstörung in der Ausgrabungsstätte sei aber noch unklar. Demnach wurden auch Lastwagen vor Ort gesichtet, die womöglich zum Abtransport von Kunstgegenständen verwendet wurden. Die Extremisten stehen im Verdacht, sich teilweise durch den Verkauf von archäologischen Fundstücken aus Grabungen und Museen zu finanzieren.

Nimrud liegt im Nordirak am Ufer des Tigris rund 30 Kilometer südöstlich von Mossul. Die im 13. Jahrhundert vor Christus gegründete Stadt gehört zum wertvollsten Erbe der assyrischen Ära. Gemäß der extremen Interpretation des Islam der Dschihadisten sind Götterbilder und Heiligengräber aber verboten, da nichts außer Gott selbst angebetet werden dürfe. So hatten die Extremisten bereits kürzlich die Zerstörung antiker Statuen im Museum von Mossul und am Eingang der Ausgrabungsstätte von Niniwe begründet.

"Es tut mir Leid, das zu sagen, aber wir haben das alle befürchtet", sagte der irakische Archäologe Abdulamir Hamdani von der Stony Brook Universität in New York zu den jüngsten Zerstörungen. Der Plan der Islamisten sei es, "das irakische Erbe zu zerstören". Nach den Zerstörungen in Mossul vor rund einer Woche hatten sich Experten bereits besorgt gezeigt, dass die Extremisten weitere archäologische Stätten wie Nimrud oder Hatra angreifen könnten.

Große Offensive gegen IS in Tikrit

"Hatra wird sehr sicher die nächste Stätte sein", sagte Hamdani. "Ich bin wirklich bestürzt. Aber es war nur eine Frage der Zeit." Die antike Stadt Hatra liegt hundert Kilometer von Mossul entfernt und gehört zum Unesco-Weltkulturerbe.

Der IS hatte im Sommer vergangenen Jahres weite Landesteile im Irak und in Syrien erobert. Die Organisation herrscht dort mit brutaler Hand und setzt eine extreme Auslegung des Islam durch. Seit Montag läuft eine Offensive der irakischen Regierung zur Rückeroberung der Stadt Tikrit nördlich von Bagdad aus den Händen des IS. Der Einsatz ist mit rund 30.000 Mann die bislang größte Offensive seit dem IS-Eroberungszug.

Nach Angaben der Vereinten Nationen verließen wegen der Militäroffensive in und um Tikrit bereits 28.000 Menschen die Region und flohen ins etwas weiter südlich gelegene Samarra. Berichte von vor Ort ließen darauf schließen, dass derzeit zahlreiche weitere Menschen versuchten, zu fliehen, erklärte die UNO am Donnerstag. Im Land gibt es bereits rund 2,5 Millionen Vertriebene. (AFP)

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