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Asyl in Deutschland : Linke nennt Abschiebepläne Wahlkampfhilfe für Rechtspopulisten

Bund und Länder haben sich auf schärfere Abschieberegeln verständigt. Justizminister Maas lobt die Vereinbarung, Thüringens Ministerpräsident Ramelow stellt sich dagegen.

Polizisten begleiten abgelehnte Asylbewerber auf dem Flughafen Leipzig-Halle.
Polizisten begleiten abgelehnte Asylbewerber auf dem Flughafen Leipzig-Halle.Foto: dpa/Sebastian Willnow

Justizminister Heiko Maas (SPD) hat die Beschlüsse von Bund und Ländern für schnellere Abschiebungen begrüßt. Am Donnerstagabend hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder über schnellere Abschiebungen beraten und entsprechende Gesetzespläne angekündigt. 

Maas sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin: „Nur wenn wir unsere Regeln durchsetzen, werden wir die Akzeptanz für Zuwanderung dauerhaft erhalten.“ 

Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) zeigte sich zufrieden mit den Ergebnissen des Flüchtlingsgipfels. Bund und Länder setzten verstärkt auf die freiwillige Rückkehr von Flüchtlingen, die in ihren Heimatländern nicht verfolgt wurden und auch nicht aus Bürgerkriegsgebieten kommen, sagte Altmaier am Freitag im ARD-„Morgenmagazin“. Dabei handele es sich um rund 40 Prozent der Ankommenden. „Aber wir sagen auch, wer die Behörden täuscht, wer nicht mitwirkt, wer verschleiert, wer eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ist, der muss notfalls auch abgeschoben werden.“ Das gelte auch für Afghanistan. Es würden aber keine Menschen in Gebiete gebracht, wo sie nicht sicher leben könnten, sagte Altmaier.

Die Linken im Bundestag sehen dagegen in den Plänen Wahlkampfhilfe für Rechtspopulisten. „Angela Merkel hat für ihre erneute Kanzlerkandidatur CSU-Positionen übernommen“, sagte Fraktionsvize Jan Korte der Deutschen Presse-Agentur. „Das ist Wasser auf die Mühlen von Rechtsaußen. Verantwortungsvoll wäre es, ein Paket zu schnüren für Integration und die Bekämpfung von Fluchtursachen.“

Weitere Beratung über Ausreisezentren

Bund und Länder hatten sich auf ein 15-Punkte-Paket verständigt. Im Zentrum der Beschlüsse der Spitzenrunde steht, dass Asylbewerber ohne Bleibeperspektive bereits aus ihrer Erstaufnahmeeinrichtung abgeschoben werden sollen. Sie sollen nicht erst in Kommunen untergebracht werden und dort Fuß fassen. Vorgetäuschte Identitäten oder Straftaten sollen künftig härter geahndet werden. Die Abschiebehaft für Gefährder soll ausgeweitet, ihre Überwachung erleichtert werden. 

Von Innenminister Thomas de Maizière (CDU) vorgeschlagene neue Ausreisezentren des Bundes sollen erst noch Gegenstand weiterer Beratungen werden. Die Idee ist, Ausreisepflichtige kurz vor ihrer Abschiebung in Zentren sicher unterzubringen, sodass etwa Flüge in Herkunftsländer in größerem Stil erleichtert werden. Doch bei den Ländern und in der Koalition gab es dem Vernehmen nach Widerstand. Auch eine von de Maizière angeregte Ausweitung der Kompetenzen der Bundespolizei für Abschiebungen kommt vorerst nicht, wie Merkel am Abend einräumte. Daran werde nach der Bundestagswahl im September weiter gearbeitet.

Maas betonte: „Wer vollziehbar ausreisepflichtig ist, der muss unser Land auch verlassen.“ Dies war auch der Tenor von Merkel sowie Ländervertretern von SPD und CDU nach dem Spitzentreffen.

Geteilte Meinung bei den Ministerpräsidenten

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) lehnt die Einigung von Bund und Ländern ab. „Wir sind nicht bereit, Wahlkampfmanöver der großen Koalition mitzumachen“, sagte er der „Berliner Zeitung“. Thüringen hatte in einer Protokollnotiz Kritik an den Plänen und dem Verfahren geübt. Staatskanzleichef  Benjamin-Immanuel Hoff (Linke) sagte der Deutschen Presse-Agentur, viele der in der Sonder-Ministerpräsidentenkonferenz beschlossenen Punkte könnten die Zahl der Rückkehrer mangels Umsetzbarkeit nicht erhöhen. Anreize zur Integration würden durch steigenden Abschiebedruck vermindert. Der Abschiebekurs betreibe das Geschäft der AfD.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) begrüßte die Pläne. „Wir haben ein gutes Ergebnis gefunden“, sagte er am Abend. Woidke betonte zugleich, viele Flüchtlinge seien nach mehreren Jahren in Deutschland schon gut integriert. „Wenn diese Menschen fähig und bereit sind, sich weiter zu integrieren, und Chancen auf unserem Arbeitsmarkt haben, dann sollten sie diese bekommen. Dafür brauchen wir endlich ein Einwanderungsgesetz.“

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sagte im „Heute Journal“ des ZDF, man sei bei der Lösung des Problems vorangekommen. Es seien gute Beschlüsse. „Aber wir sind noch nicht fertig mit unserer Arbeit.“

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund begrüßte die Beschlüsse ebenfalls: „Die Zahl der Abschiebungen zu erhöhen, ist dringend notwendig, um die Kommunen zu entlasten und die Akzeptanz der Bevölkerung für Flüchtlinge mit Bleibeperspektive nicht zu gefährden“, hieß es in einer Stellungnahme. (dpa)

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