Politik : Asylbewerber in Schiphol gestorben

Abschiebegefängnis in Holland brannte

Ruth Reichstein

Brüssel - Elf Asylbewerber sind in der Nacht zum Donnerstag bei einem Brand im niederländischen Schiphol ums Leben gekommen. Sie waren dort in Abschiebehaft und konnten sich nicht rechtzeitig aus ihren Zellen befreien.

Nach wie vor ist unklar, warum der Brand ausgebrochen war. Ebenso unklar war, wieso die Gefangenen ihre Zellen in diesem Gefängnis nahe des Amsterdamer Flughafens nicht schneller verlassen konnten. Zum Zeitpunkt des Brandes warteten im Gefängnis rund 300 Menschen auf ihre Abschiebung. Die niederländische Regierung hat eine unabhängige Untersuchung angekündigt. Einige Gefangene sagten, ihre Hilferufe wären nicht ernst genommen worden. „Wir haben Alarm ausgelöst, aber die Wächter haben uns die Türen einfach nicht aufgemacht. Wir blieben eingesperrt und es brach Panik aus“, sagte einer der Insassen.

Der Brand war vermutlich in einer der Zellen gegen Mitternacht ausgebrochen. Ein Flügel des Gefängnisses brannte völlig aus. Stundenlang loderten die meterhohen Flammen, die elf Menschen das Leben kosteten. Weitere 15 Insassen wurden zum Teil schwer verletzt. Der Zellenkomplex, der von einem drei Meter hohen Zaun und Stacheldraht umgeben ist, war erst vor zwei Jahren gebaut worden, um abgelehnte Asylbewerber bis zu ihrer Abschiebung unterbringen zu können. Denn die Niederlande haben ihre Asylpolitik in den vergangenen Jahren stark verschärft. Im Frühjahr 2004 beschloss die Regierung, bis 2007 insgesamt 26 000 Asylbewerber aus Afghanistan, der früheren Sowjetunion und Somalia abzuschieben. Viele von ihnen sitzen zurzeit in Gefängnissen wie in Schiphol und Rotterdam.

Ein Grund für die Verschärfung: der Erfolg des Rechtspopulisten Pim Fortuyn, der mit seiner Forderung nach einem totalen Einwanderungsstopp 2002 seiner Partei in die Regierung verhalf. Auch nach seinem Tod kurz vor den Wahlen blieb die Regierung bei ihrem harten Kurs. „Die Politik der jetzigen Regierung mit Integrationsministerin Rita Verdonk ist sehr repressiv. Es wird immer schwieriger in den Niederlanden Asyl zu bekommen“, sagt Vanessa Saenen von Human Rights Watch. Tatsächlich ist die Zahl der Asylbewerber stark zurückgegangen. Vor einigen Jahren suchten bis zu 50 000 Menschen in den Niederlanden Zuflucht. In diesem Jahr sind es nur noch rund 10 000. „Dafür steigt die Zahl der illegalen Einwanderer. Wir schätzen, es sind jährlich 150 000 bis 200 000 Menschen. Sie vertrauen dem Asylverfahren nicht und kommen lieber ohne Papiere“, sagt Theo Miltenburg von einer Rotterdamer Hilfsorganisation, die für illegale Einwanderer arbeitet.

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