Politik : Asylrecht: Mut zu Süssmuth (Kommentar)

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Politik ist ein ziemlich profanes Handwerk. Es gibt ein paar Tricks, die im Alten Rom nicht viel anders funktionierten als heute. Einer geht so: Ein politisches Lager vereinnahmt eine der Figuren aus dem anderen Lager. Divide et impera. Die liberale Christdemokratin Rita Süssmuth soll die vom Sozialdemokraten Otto Schily ins Leben gerufene Einwanderungs-Kommission leiten. Und die Union steht Kopf. Roland Koch fuchtelt wild mit den Armen und sieht "die Parteilinie" in Gefahr. Der CSU-Mann Peter Ramsauer donnert, dass Süssmuth vergesse, wem sie ihre Karriere zu verdanken habe. Das klingt beleidigt. Doch das Allerschlimmste für die Union ist, dass Süssmuth die Richtige für den Job ist: Sie ist (außerhalb von Bayern) allgemein anerkannt und jemand, dem man zuzutraut, Pragmatismus und Moral unter einen Hut zu bringen. Verhindern kann diesen Sieg sozialdemokratischer Taktik nur noch die SPD selbst - wenn sie Hans-Jochen Vogel gleichberechtigt neben Süssmuth etabliert. Eine Frage der Etikette, mehr nicht. Das wäre ein hübsche Pointe: Die SPD schickt sich an, die Union als parteipolitisch bornierten Club bloßzustellen - und stolpert am Ende über die eigene parteipolitische Fixierung. Wie im Alten Rom.

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