Politik : Athen ermittelt in U-Boot-Affäre

Fahnder sperren Konten und suchen mutmaßliche Ferrostaal-Schmiergelder

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Athen - Die griechische Behörde für die Verfolgung von Finanzverbrechen (SDOE) hat sich in die Ermittlungen um angebliche Schmiergeldzahlungen bei der Lieferung deutscher U-Boote an Griechenland eingeschaltet. Die Bankkonten einer nicht genannten Anzahl von Personen, die mutmaßlich in die Affäre verwickelt sind, wurden auf Weisung der Steuerfahnder gesperrt. Sie sollen jetzt im Hinblick auf verdächtige Transaktionen untersucht werden. Man habe Hinweise darauf, dass von einigen Konten jüngst größere Beträge transferiert worden seien, hieß es in Kreisen der Ermittler.

Im Jahr 2000 hatte die Kieler Werft HWD von der griechischen Marine den Auftrag zum Bau von vier U-Booten des Typs 214 erhalten. Um den Zuschlag hatten sich auch Konkurrenten aus Frankreich, Schweden und den Niederlanden beworben. An dem Geschäft war als Vertriebspartner auch die Essener Ferrostaal AG beteiligt, eine damalige MAN-Tochter. Der Auftrag hatte ein Volumen von 1,26 Milliarden Euro. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt im Zusammenhang mit dem griechischen U-Boot- Geschäft gegen Ferrostaal und mehrere ehemalige Manager des Unternehmens wegen des Verdachts der Bestechung und der Untreue.

Nachdem bisher davon die Rede war, griechische Entscheidungsträger seien mit rund 55 Millionen Euro geschmiert worden, um den Auftrag an Land zu ziehen, nennt die gewöhnlich gut informierte Athener Zeitung „Kathimerini“ jetzt sehr viel höhere Beträge: danach könnten Schmiergelder von bis zu 230 Millionen Euro geflossen sein.

In der Affäre ermitteln auch zwei griechische Staatsanwälte. Sie wollen nach Informationen aus Justizkreisen demnächst die ersten Zeugen vorladen. Die Ermittler interessieren sich besonders für die Rolle einer Beraterfirma aus Piräus, über die mutmaßliche Schmiergeldzahlungen abgewickelt worden sein sollen. Tatsächliche Empfänger der Millionen, die als „Beraterhonorare“ deklariert wurden, sollen Politiker und Entscheidungsträger im Verteidigungsministerium gewesen sein, schreiben griechische Medien unter Berufung auf Ermittler. Gerd Höhler

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