Politik : Athen sieht „historische Chance“ Finanzminister geben neues Rettungspaket frei

Athen/Berlin - Nach dem geglückten Start der Umschuldung Griechenlands ist in dem Land die Gefahr eines Staatsbankrotts zunächst gebannt. Die Finanzminister der Euro-Gruppe gaben am Freitag 35,5 Milliarden Euro als ersten Teilbetrag des neuen Rettungspakets frei. Über weitere 94,5 Milliarden soll kommende Woche entschieden werden. Griechenlands Finanzminister Evangelos Venizelos sprach von einer „historischen Chance“.

Bis zum Ablauf der Meldefrist am Donnerstagabend hatten die privaten Gläubiger Anleihen mit einem Volumen von 152 Milliarden Euro zum Tausch angeboten. Das sind 85,8 Prozent der nach griechischem Recht ausgegebenen Staatsanleihen. Diese freiwillige Beteiligung reicht aber nicht, um Athens Schuldenberg wie geplant um 107 Milliarden Euro abzubauen. Deshalb will Venizelos nun sogenannte Umschuldungsklauseln aktivieren. Mit diesen Klauseln können auch unwillige Gläubiger zur Teilnahme am Schuldenschnitt gezwungen werden, der dann 105,5 Milliarden Euro betragen soll.

Allerdings wird die Aktivierung der Zwangsklauseln nun als Kreditausfall gewertet, wie der Branchenverband ISDA am Freitagabend feststellte. Damit werden die schwer berechenbaren Kreditausfallversicherungen fällig. Weil in diesem Fall neue Turbulenzen im Bankensektor nicht auszuschließen sind, reagierten die Finanzmärkte auf die Umschuldung verhalten. Nach dem Schuldenschnitt stufte die Ratingagentur Fitch Griechenlands Bonität am Freitag auf „teilweisen Zahlungsausfall“ zurück.

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) versicherte, dass die Umschuldung Griechenlands im Kreis der Euro- Länder eine Ausnahme bleiben werde. Griechenland sei ein „einzigartiger Fall“, sagte der Minister und wies Spekulationen zurück, dass auch Käufer von Anleihen anderer kriselnder Euro-Länder künftig möglicherweise mit einem Schuldenschnitt rechnen müssten. Gleichzeitig wandte sich Schäuble gegen eine Diskussion über einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. öhl/ame

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