ATHENS GENERÄLE – TABU : ATHENS GENERÄLE – TABU

Surfen in der Algarve? Insel-Hopping in der Ägäis? Nein, danke. Beides gab es Anfang der 70er Jahre nicht auf meiner Landkarte möglicher Urlaubsziele. Auch wenn die Kommilitonen schwärmten von den gastfreundlichen Dörfern und den langen Atlantikwellen – Marcelo Caetano stand jeder touristischen Annäherung an Portugal im Wege. Dass der Erbe des Diktators Antonio Salazar nach dessen Tod die vierzigjährige autoritäre Herrschaft fortgesetzt hatte, wog bei der Auswahl des Urlaubsziels schwerer als die Aussicht auf billige Ferientage. Das galt auch für Griechenland, wo sich 1967 die rechte Obristen-Junta an die Macht geputscht hatte. Mochten die griechischen Inseln auch noch so angesagt sein in Hippie-Kreisen – für mich galt: kein Fußbreit Unterstützung den Generälen. Dem portugiesischen Machthaber Caetano wird mein Boykott herzlich egal gewesen sein. Als 1974 die „Nelkenrevolution“ in Portugal siegte, war dies trotzdem eine Genugtuung. Um Portugal nun in demokratischen Zeiten neu als Ziel der Fernweh zu entdecken, war es aber längst zu spät. Das galt auch für Griechenland, als die Junta endlich stürzte. Längst gab es andere Ziele, die mehr lockten. Die Vermessung der Welt war vollzogen – ohne Portugal und Griechenland. Bis heute. Gerd Nowakowski

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