Politik : Atom-Daten: Geheime Unterlagen aus Los Alamos verschwunden

Weitere Informationen unter www.lanl.gov/external

Das Verschwinden zweier Computer-Festplatten mit geheimen Unterlagen aus der Atomanlage Los Alamos im Staat New Mexico hat in den USA für helle Aufregung gesorgt. Die Behörden leiteten eine Untersuchung auf höchster Ebene ein, wie das Energieministerium und die Atomanlage am Montag erklärten. Hinweise auf Spionage lägen bislang nicht vor, erklärte Ed Curran, der Direktor der Spionageabwehr im Energieministerium. Die "New York Times" berichtete, es handele sich um zwei identische Festplatten mit Daten über Atomwaffen der USA und Russlands.

Möglicherweise bestehe ein Zusammenhang mit dem Buschbrand, der Los Alamos im Mai bedrohte und die Evakuierung der Stadt und der Atomanlage nötig machte, sagte Curran. Der Sicherheitschef im Energieministerium, Luftwaffengeneral Eugene Habiger, erklärte, womöglich seien die Daten bei der Evakuierung verlegt oder versehentlich zerstört worden. Das riesige Wald- und Buschfeuer hatte Mitte Mai in den Straßen von Los Alamos gewütet.

Dem Zeitungsbericht zufolge wurde der Festplatten-Verlust am 1. Juni der Regierung gemeldet. Er soll nach einem Waldbrand in der Nähe der Anlage bemerkt worden sein, der am 8. Mai zur teilweisen Schließung des Labors geführt hatte. Der Fernsehsender NBC berichtete dagegen, die Festplatten seien bereits vor dem Feuer vermisst worden. Ein Sprecher des Labors sagte, der Verlust sei rein zufällig bemerkt worden, weil ein Mitarbeiter "irgendwann im Mai" die Daten benötigt habe, sie aber nicht habe finden können. John Browne, der Direktor des Waffenversuchslabors in New Mexico, sprach von einem "extrem ernsten Vorgang", auf den mit raschen Maßnahmen reagiert werde. Nach Angaben von Curran und Habiger sollen alle Mitarbeiter der Anlage, die mit den Daten zu tun hatten, verhört und Lügendetektor-Tests unterzogen werden.

Die verschwundenen Daten stammen von einem Computer, der im Hochsicherheitstrakt der Atomanlage, der so genannten Division X, stand. Dort bereiten Wissenschaftler Reaktionen auf mögliche Atomunfälle und auf Bedrohungen des Terrorismus vor. Die Festplatten enthalten unter anderem Daten über den sicheren Umgang mit Atomwaffen im Notfall. Zudem seien auch Informationen über Verfahren zur Demontage russischer Atomwaffen gespeichert gewesen. Browne bestätigte, dass elektronisch gespeicherte, vertrauliche Informationen verschwunden seien, nannte jedoch keine Einzelheiten.

Im vergangenen Jahr war ein in Los Alamos beschäftigter Wissenschaftler, Wen Ho Lee, unter Spionageverdacht festgenommen worden. Er soll geheime Unterlagen aus dem US-Atomwaffenprogramm ins Ausland weitergeleitet haben. Im Falle einer Verurteilung droht dem aus Taiwan stammenden Forscher lebenslange Haft.

Die Atomlabors bei Los Alamos sind die größte und älteste Atomanlage der USA. Sie wurden 1942 als Teil des Manhattan-Projekts zur Entwicklung der Atombombe eingerichtet. Dort war auch die erste Atombombe gebaut worden, die am 16. Juli 1945 beim "Trinity Test" auf dem heutigen Versuchsgelände White Sands im Süden New Mexicos gezündet wurde.

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