Politik : Atom-Daten: Panne mit System (Kommentar)

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In Amerikas Nuklear-Labor Los Alamos sind Computer-Festplatten mit hochbrisanten Daten verschwunden. Unauffindbar ist all das, was die USA über Russlands Atomraketen wissen. Es könnte gut sein, dass die Daten nicht geklaut wurden, sondern dass schlicht jemand versucht hat, sie im Mai vor dem regierungsamtlich gelegten Feuer zu retten, das ringsum wütete und schließlich auch die Atom-Labors bedrohte. Kopien der Unterlagen gab es im Außenministerium. Aber dort sind gerade Laptops verschwunden mit Erkenntnissen, die so geheim sind, dass selbst die Kennung der Vertraulichkeit - weit oberhalb des gewöhnlichen "top secret" - geheim ist. In dieser Sache ermitteln ein FBI, das ständig der Schlamperei bezichtigt wird, und ein CIA, dessen Ex-Direktor Deutch wegen des sorglosen Abspeicherns streng geheimer Daten auf seinem ungesicherten Privat-Computer angeklagt wird. Los Alamos selbst und das zuständige Energie-Ministerium ermitteln noch gegen Wen Hoo Lee, jenen Ex-Mitarbeiter, der sensible Daten kopiert und China zugespielt haben soll. So viel Pech! Zu viel? Allen diesen Stellen mangelt es nicht an Sicherheitsbestimmungen, sondern an der Bereitschaft, sie einzuhalten und diese Einhaltung zu kontrollieren. Eine Regierung, die nicht erklären kann, ob es sich um eine Kette menschlicher Irrtümer oder um schwer wiegende Fälle von Spionage handelt, muss sich bereits einen Befund unter die Nase halten lassen. Sie steht dumm da, sehr dumm.

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