Atom-Konflikt : Nordkorea provoziert erneut mit Raketentests

Kim Jong Il sieht offenbar keine Veranlassung zu Entspannungspolitik: Nach Angaben aus Südkorea hat das Regime in Pjöngjang an der Ostküste zwei Raketen abgefeuert.

PjöngjangNach einer Reihe von Raketentests und einem Atomtest am 25. Mai schoss Nordkorea nach südkoreanischen Angaben an der Südostküste des Landes erneut vier Kurzstreckenraketen über das Japanische Meer ab. Dabei habe es sich um Bodenraketen zum Angriff auf Schiffe gehandelt, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul. Demnach wurden sie getrennt voneinander zwischen 17.20 Uhr und 21.20 Uhr Ortszeit (10.20 Uhr bis 14.20 Uhr MESZ) in der Nähe der Stadt Wonsan abgeschossen.

Das Land hatte im Juni den Küstenschiffsverkehr vor Wonsan sperren lassen. Nach südkoreanischen Angaben soll das Verbot wegen einer Militärübung des Nachbarlandesbis zum 10. Juli wirksam sein.

Die südkoreanische Regierung hatte mit dieser neuen Provokation offenbar gerechnet. Nach einem Medienbericht hat der Geheimdienst bereits seit Längerem Anzeichen dafür gehabt, dass das Regime von Kim Jong Il sowohl Boden-Schiffsraketen als auch ballistische Kurzstreckenraketen vom Typ Scud-B mit einer Reichweite von 340 Kilometern oder sogar Rodong-Raketen mit noch höherer Reichweite zum Abschuss vorbereite.

Im vergangenen Monat dann hatte Nordkorea wegen einer Militärübung Teile der Ostküste für den Schiffsverkehr gesperrt. Das Verbot soll bis zum 10. Juli wirksam sein. Japan sei von der Regierung in Pjöngjang davon informiert worden. Beobachter hatten die Vorwarnung als Zeichen für mögliche Vorbereitungen auf neue Raketentests gewertet.

Die Raketenabschüsse und der Atomversuch werden nicht nur auf der koreanischen Halbinsel, sondern auch international als deutliche Provokation gesehen. Insbesondere die Führung in Washington reagierte mit Empörung. Eine Einigung im schwelenden Atomstreit wird damit immer unwahrscheinlicher.

Zuletzt hieß es, die USA wollen den wirtschaftlichen Druck auf das Regime massiv erhöhen. Wie das Wall Street Journal berichtet hatte, plane das Finanzministerium insgesamt 17 nordkoreanische Banken und Unternehmen von internationalen Geldflüssen abzuschneiden. Diese Firmen seien aus amerikanischer Sicht zentrale Mittler für den Handel Nordkoreas mit Waffen und nuklearem Material.

Zuvor hatte der UN-Sicherheitsrat mit einem einstimmigen Beschluss die Sanktionen gegen das kommunistische Regime verschärft. Auch Nordkoreas Verbündeter China hatte an der Resolution 1874 mitgearbeitet und mit Ja gestimmt. Unter anderem soll Fracht nach Nordkorea nun stärker auf verbotene Waffenlieferungen kontrolliert werden. Da die Resolution völkerrechtlich verbindlich ist, können die Sanktionen notfalls mit Gewalt durchgesetzt werden.

ZEIT ONLINE, dpa, Reuters

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