Atom-Pannen : Vattenfall kann Zweifel nicht ausräumen

Auch nach der Befragung verantwortlicher Mitarbeiter des AKW Krümmel bleiben Zweifel, ob Betreiber Vattenfall für die Sicherheit seiner Meiler garantieren kann. In Krümmel wurden unterdessen weitere falsch montierte Dübel entdeckt.

André Klohn[ddp]

Kiel/BerlinNach der Pannenserie in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel zieht der Energiekonzern Vattenfall erste personelle Konsequenzen. Vattenfall Europe entließ den Chef seiner deutschen Atomkraft-Sparte, Bruno Thomauske. Damit wolle das Unternehmen verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen, hieß es. Unterdessen will die Atomaufsicht als Konsequenz einer Befragung des Reaktorfahrers und weiterer Mitarbeiter die Kommunikation im AKW Krümmel verbessern. Dort wurden unterdessen wieder falsch verwendete Dübel entdeckt. Die Bundesregierung lud die Atomenergieorganisation (IAEO) ein, Mitte 2008 die Atomaufsicht von Bund und Ländern zu überprüfen.

Bei Vattenfall soll bis auf weiteres der Kraftwerksvorstand Reinhardt Hassam die Aufgaben des entlassenen Atomkraft-Chefs Thomauske übernehmen. Außerdem soll noch im Laufe der Woche eine hochrangige Expertengruppe eingesetzt werden. Sie soll, ausgestattet mit einem Etat in Höhe von fünf Millionen Euro, eine Gesamtanalyse vornehmen.

Gabriel: Entlassung Thomauskes war "überfällig"

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) wertete die angekündigte Einberufung der Expertengruppe "als Einstieg in die Diskussion darüber, dass ältere Atomkraftwerke früher vom Netz gehen und ihre Restlaufzeiten auf jüngere Anlagen übertragen werden sollten". Die Entlassung von Thomauske sei ein "überfälliger Schritt", sagte Gabriel. Es sei "höchste Zeit, dass sich Vattenfall nun endlich offensiv an der notwendigen Aufklärung der Vorfälle in Krümmel und Brunsbüttel beteiligen will".

Schleswig-Holsteins für Reaktoraufsicht zuständige Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) forderte weitere Schritte. Vattenfall müsse technisches und menschliches Versagen in seinen Kernkraftwerken ausschließen. "Dafür ist das Unternehmen den Beweis noch schuldig, die Kritik der Atomaufsicht ist nicht ausgeräumt."

Moderne Kommunikationsprinzipien sollen in Krümmel Einzug halten

Der Kieler Staatssekretär Hellmut Körner betonte nach der knapp vierstündigen Befragung verantwortlicher Mitarbeiter des AKW durch die Atomaufsicht, in Krümmel sei künftig die Nutzung modernerer Kommunikationsprinzipien nötig wie etwa in der Luftfahrt. Außerdem müsse die Organisation der Verantwortung auf der Warte bei komplexen Störfällen verändert werden. Eine "strukturelle Überlastung des Schichtleiters bei mehreren parallelen Ereignissen" müsse vermieden werden. Er fügte hinzu, dass die Atomaufsicht nun ein "klareres Bild der Abläufe, allerdings auch weitere Fragen" habe.

Der AKW-Betreiber war nach den Schnellabschaltungen der Atommeiler Brunsbüttel und Krümmel am 28. Juni zunehmend in die Kritik geraten. Politiker und Verbände bemängelten insbesondere die anfänglich scheibchenweise Informationspolitik des Konzerns. Erst nachdem die Polizei mit einem Durchsuchungsbefehl das AKW Krümmel aufsuchte, lenkte Vattenfall ein und erlaubte eine Befragung des Reaktorfahrers.

Der Reaktorfachmann des Öko-Instituts, Michael Sailer, glaubt, dass die Verantwortlichen bei dem Transformatorbrand in Krümmel nicht sicher gewesen seien, wie die Situation einzuschätzen sei. Statt der normalerweise auf der Warte Dienst tuenden fünf Personen hätten sich dort zeitweilig 37 Mitarbeiter aufgehalten. "Man hat offenbar alle Mitarbeiter herangezogen, die zur Behebung des Störfalls hätten beitragen können", sagte Sailer, der auch Mitglied der Reaktorsicherheitskommission des Bundes ist.

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